Die österreichweite Studie "Wasser im Klimawandel - eine Studie über die Auswirkungen" ist im Vorjahr gestartet. Heute informieren wir Sie über erste vorläufige Ergebnisse zu den Klimaszenarien bis Mitte des Jahrhunderts.
Saisonale Verschiebung stärker als bisher angenommen
Die aktualisierten Szenarien zeigen einen deutlicheren Trend als frühere Berechnungen: Der Niederschlag verschiebt sich saisonal - weg vom Sommer, hin zur kalten Jahreszeit.
Die zentralen Befunde im Überblick:
- Sommer: Der Niederschlag nimmt bis 2050 im Mittel um 5 bis 15 Prozent ab - stärker als in den Österreichischen Klimaszenarien 2015 (OKS15) prognostiziert.
- Herbst, Winter, Frühjahr: Hier ist von einem Niederschlagsplus zwischen 5 und 10 Prozent auszugehen.
- Jahresmittel: Die Gesamtniederschlagsmenge bleibt weitgehend konstant. Durch den anhaltenden Temperaturanstieg verlieren wir dennoch mehr Wasser - vor allem durch verstärkte Verdunstung in der warmen Jahreszeit.
Der Erwärmungstrend selbst bestätigt sich: Die Temperaturentwicklung unterscheidet sich nur marginal von früheren Szenarien. Der Anstieg wird weitergehen, auch auf dem aktuellen Pfad der GegenmaBnahmen.
Was bedeutet das konkret?
Die saisonale Verschiebung hat direkte Auswirkungen auf Wassermanagement, Landwirtschaft und Ökosysteme:
- Vulnerable Regionen: Besonders der Osten Österreichs steht vor Herausforderungen. Hier treffen geringere Sommerniederschläge auf ohnehin trockenere Bedingungen und intensive landwirtschaftliche Nutzung.
- Grundwasserneubildung: Die Zunahme der Winterniederschläge wirkt sich im Mittel positiv auf die Grundwasserneubildung aus. Im Flachland fällt der Niederschlag häufiger als Regen statt als Schnee - was potenzielle Auswirkungen auf die Versickerung haben kann.
- Landwirtschaft: Trockenere Sommer erhöhen den Bewässerungsbedarf, während gleichzeitig weniger Wasser zur Verfügung steht. Das Management der Ressource Wasser - von Oberschuss- zu Mangelzeiten - wird zur zentralen Aufgabe.
lntensivere Niederschlage: Ein differenziertes Bild
Die Szenarien zeigen auch: Die Wahrscheinlichkeit für sehr intensive Niederschlage in kurzer Zeit steigt - insbesondere bei sommerlichen Gewitterlagen. Das bedeutet:
- Schnellerer oberflächlicher Abfluss
- Weniger Versickerung ins Grundwasser
- Erhöhtes Risiko für lokale Überflutungen
Wichtig zur Einordnung: Diese Entwicklung betrifft lokale Starkregenereignisse. Für großräumige Hochwasser, die auf Großwetterlagen wie Adria-Tiefs zurückgehen, ist ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel derzeit wissenschaftlich nicht belegt.
Einordnung der Ergebnisse
Klaus Haslinger, Klimaforscher bei GeoSphere Austria und Teil des Studienteams, ordnet die Ergebnisse ein:
,,Die neuen Szenarien zeigen ein etwa Gleichbleiben des Jahresniederschlags - mit ein bisschen mehr im Winter und ein bisschen weniger im Sommer. Diese Verschiebung, kombiniert mit steigenden Temperaturen und höherer Verdunstung, macht das Wassermanagement in vulnerablen Gebieten herausfordernder."
Die vorliegenden Ergebnisse sind vorläufig und basieren auf robusten Trends. Klimaszenarien bilden Mittelwerte ab; natürliche Schwankungen von Jahr zu Jahr bleiben bestehen. Einzelne Wetterereignisse - etwa ein besonders feuchter Sommer - widerlegen die langfristigen Projektionen nicht.
Ausblick
Die Studie wird im Laufe des Jahres 2026 weitere Ergebnisse liefern, unter anderem zu:
- Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen
- Hoch- und Niederwasserszenarien
- Wassertemperaturen und Verdunstung
- Schneeentwicklung und Schneeschmelze
Der Endbericht erscheint im Herbst 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für ganz Österreich enthalten - als wissenschaftliche Grundlage für Entscheidungen in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung.
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