Rund 15 % der Oberösterreichischen Bevölkerung beziehen ihr Trinkwasser aus Einzelwasserversorgungsanlagen wie Hausbrunnen und -quellen.
Die Laborbusaktion des Landes Oberösterreich „Für unser Trinkwasser unterwegs“ untersucht diese privaten Anlagen seit über 35 Jahren. Leider zeigt sich stets ein sehr ähnliches Bild der Untersuchungsergebnisse:
- 45 % der Hausbrunnen und -quellen haben bakteriologische Probleme und
- zwei Drittel weisen bautechnische Mängel auf
- nur 15 % der untersuchten Anlagen sind baulich und qualitativ einwandfrei
Probleme treten auch in den immer häufiger werdenden Trockenperioden auf. Insbesondere oberflächennahe Wassergewinnungsstellen, wie seichte Brunnen sowie Quellfassungen, können trockenfallen. Notfalls eingesetzte Wassertransporte durch Feuerwehren sind keine Lösung, da diese nur Nutzwasser liefern können.
Auch bei Starkregenereignissen können sich bauliche Mängel verstärkt durch Wassertrübungen, geschmackliche Veränderungen bis hin zu gesundheitlichen Beschwerden durch Wasserverunreinigungen zeigen.
Eine Kontrolle von Einzelwasserversorgern wird derzeit von Seiten der Behörde nicht durchgeführt. Daher kann nur eine Empfehlung an alle Hausbrunnenbesitzer gehen:
Lassen Sie das Wasser aus dem eigenen Brunnen bzw. der eigenen Quelle jährlich durch eine geeignete Untersuchungsanstalt prüfen und warten Sie ihre Anlage regelmäßig!
Ist eine öffentliche Wasserversorgung möglich?
In Oberösterreich werden öffentliche Versorgungen – sowohl kommunal als auch genossenschaftlich organisiert – aktiv gefördert. Die Erfahrung zeigt, dass diese gut organisierten und am neuesten technischen Stand errichteten öffentlichen Versorgungsanlagen die Versorgungssicherheit erhöhen. So sind die Wasserqualität und das Wasserdargebot durch technisch einwandfreie und gewartete öffentliche Versorgungsanlagen besser abgesichert als durch vulnerable Einzelwasserversorgungsanlagen. Trinkwasserversorgungskonzepte, die bereits in vielen Gemeinden aufliegen, können hier bei der Planung und Umsetzung gemeinsamer Vorhaben wesentlich unterstützen.
In jenen Gebieten, wo Hausbrunnen und- quellen weiterhin die einzige Versorgungsmöglichkeit darstellen, informieren wir Sie gerne und unterstützen Sie mit der Aktion „Für unser Trinkwasser unterwegs“.
Arten der Wassergewinnung im Überblick
Bei Einzelwasserversorgungsanlagen ergibt sich die Art der Wassergewinnung vorwiegend aus den herrschenden hydrogeologischen Bedingungen und dem voraussichtlichen Wasserbedarf.
Der am Seitenende angeführte „Ratgeber Hausbrunnen“ bietet spannende Einblicke für die Betreiber von Hausbrunnen und -quellen. Worauf bei deren Neubau bzw. Instandsetzung zu achten ist, kann insbesondere im Kapitel „Anlagenerrichtung, -betrieb und -erhaltung“ nachgelesen werden.
- Schachtbrunnen
Die bislang am häufigsten errichtete Brunnenart, besonders für Erschließung von Wasser aus geringeren Tiefen geeignet.
Bei Fertigteilschachtbrunnen werden Schachtringe abgesenkt, bei der Ortbetonbauweise erfolgt stufenweises Ausbetonieren des zylindrischen Raumes.
- Bohrbrunnen
Bei Wassererschließung aus größeren Tiefen (ab ca. 20 m) angewandt.
Zu beachten ist, dass bis auf wenige Ausnahmen (besondere geologische Gegebenheiten) die abgeteufte Bohrung vollkommen zu verrohren ist. Als artesische Brunnen bezeichnet man Bohrbrunnen, bei denen der Ruhewasserspiegel über der örtlichen Erdoberkante liegt (Achtung: wasserrechtlich bewilligungspflichtig).
- Schlagbrunnen
Wird durch Einrammen von Rohren hergestellt. Wegen seiner begrenzten Lebensdauer, geringer Ergiebigkeit und hygienischer Unsicherheit wird dieser Brunnentyp kaum mehr errichtet.
- Quellfassung
Natürlich zu Tage tretende Wässer oder Grundwässer die nahe unter Gelände abfließen, werden mittels verschiedenster Arten von Fassungen erschlossen und üblicherweise in einen Quellschacht abgeleitet.
Betrieb einer Wasserversorgungsanlage
Damit man Trinkwasser in ausreichender Qualität und Menge jederzeit zu Verfügung hat, muss man seine Anlage regelmäßig kontrollieren und warten. Die Aktion „Für unser Trinkwasser unterwegs“ hat gezeigt, dass sich Betreiber von Einzelwasserversorgungsanlagen häufig zu wenig über den baulichen Zustand ihrer Anlagen informieren und erst dann handeln, wenn die Wasserqualität bereits beeinträchtigt ist, oder die Versorgung zusammenbricht.
Die nachstehende Checkliste soll dabei unterstützen, durch gezielte Wartung etwaige Veränderungen an der Anlage rechtzeitig zu erkennen und negative Einflüsse hintanzuhalten.
Nach besonderen Ereignissen (z.B. starke Niederschläge, Überschwemmungen, Unfälle oder Windwurf im Nahbereich der Wassergewinnungsstelle) können anlassbezogene Kontrollen erforderlich sein.
| Mindestens zu kontrollieren und warten ist/sind |
regelmäßig/bei Bedarf |
monatlich | jährlich |
| Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung des Brunnens oder der Quellfassung (Ablagerungen, Aufgrabungen etc.) | X | X | |
| Begutachtung des Einzugsgebietes en der weiteren Umgebung des Wasserspenders auf negative Einflüsse (Schutzgebiet) | X | ||
| Dichtheit des Deckels (Gummidichtung, Fuge zwischen Deckelrahmen und Abdeckung, Insektengitter, Roststellen) | X | ||
| Sichtkontrolle auf Schäden in Brunnen- bzw. Behälterwand (Risse, Undichtheiten, Einwachsen von Wurzeln etc.) | X | ||
| Bei Bohrbrunnen: Kontrolle, ob Vorschacht trocken ist | X | ||
| Kleintiere in Schacht eingedrungen (Ursachen finden) | X | ||
| Schlammbildung an der Brunnen- bzw. Behältersohle (bei Bedarf reinigen) | X | ||
| Reinigung allfällig vorhandener Wasserfilter | X | ||
| Dichtheitskontrolle der Installation | X | ||
| Funktionsprüfung und Wartung allfällig vorhandener Aufbereitungsanlagen lt. Vorgabe des Herstellers | X | ||
| Trinkwasserkontrolle hinsichtlich Geschmack, Geruch, Farbe bzw. Trübung | X | ||
| Durchführung von Wasseranalysen (physikalische, chemische bakteriologische Untersuchung) | X |
