Leitfaden für die Anwendung des Kriterienkatalogs für PV-Freiflächenanlagen (PV-FFA) auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen gemäß Anhang B

Der Kriterienkatalog in Anhang B der PV-Strategie soll zur Einschätzung der Möglichkeiten und Realisierungschancen von PV-Freiflächenanlagen dienen. Ein Leitfaden soll bei der Anwendung des Kriterienkatalogs helfen und insbesondere die Handhabung der für die Flächenbeurteilung nötigen DORIS Karten erleichtern.

Der Kriterienkatalog für PV-Freiflächenanlagen im Anhang B der Oö. PV-Strategie gilt vorrangig für die Prüfung im Widmungsverfahren für PV-Anlagen auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen.

Er soll Behörden und Sachverständigen als Leitfaden dienen und vor allem für die Projektantragstellerinnen und -antragsteller zur Einschätzung der Möglichkeiten
und Realisierungschancen dienen.

Der nachfolgende Leitfaden soll bei der Anwendung des Kriterienkatalogs helfen und insbesondere die Handhabung der für die Flächenbeurteilung nötigen DORIS Karten erleichtern.

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Anhang B der Photovoltaik-Strategie: Kriterienkatalog PV-Freiflächenanlagen

Kriterienkatalog PV-Freiflächenanlagen (PV-FFA) auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen

In diesem Kapitel werden die für PV-Freiflächenanlagen relevanten (berührten) Fachbereiche angeführt und dort, wo erfahrungsgemäß Konflikte zu erwarten sind, Kriterien definiert. Diese Kriterien für PV-Freiflächenanlagen gelten vor allem auf landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Unterschieden wird zwischen Ausschlusskriterien und jenen Kriterien, die bereits im Verfahren zur Änderung des Flächenwidmungsplanes einer tiefergehenden Prüfung zu unterziehen sind:

Rot = Ausschlusskriterium

Gelb = tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

Grün = im jeweiligen Fachgebiet ein optimaler bzw. günstiger Bereich (sofern definiert).

Während bei Standorten mit roten Kriterien bereits ein Kriterium zum Ausschluss führt, ist bei gelben Standorten neben der tiefergehenden Prüfung des jeweiligen Kriteriums auch die Sensibilität der betroffenen Landschaft mit besonderem Bedacht zu prüfen. Für alle möglichen Standorte und nach Prüfung, ob ein volkswirtschaftlich sinnvoller Einspeisepunkt erreichbar ist, sind die angeführten Ausführungskriterien einzuhalten!

Die im Folgenden angeführten Kriterien sind den jeweiligen Fachgebieten zugeordnet und nach bestem Wissen und Gewissen erstellt worden. Nicht alle den Fachgebieten zugehörigen Kriterien können anhand bestehender Karten abgebildet werden. Dies gilt vor allem für das Fachgebiet Landschaftsschutz (wird am Ende des Kriterienkatalogs angeführt). Der Schutz der Landschaft und die dazugehörige Bewertung stellt ein sehr aufwändiges Verfahren dar. Aus diesem Grund sollten zuvor alle anderen Fachgebiete geprüft werden. Nur dann, wenn kein anderes Kriterium zum Ausschluss führt, sollte eine tiefergehende Prüfung des Landschaftsbildes erfolgen.

Die jeweiligen verortbaren Kriterien sind im Digitalen Oberösterreichischen Raum-Informations-System (DORIS) abrufbar (siehe Link am Ende der Seite).

Geogene Risikobereiche

Für das Fachgebiet geogene Risikobereiche existieren keine flächendeckenden Karten. Auf DORIS sind zwar zwei relevante Kartengrundlagen zu geogenen Risikobereichen zugänglich: die Gefahrenhinweiskarte für gravitative Massenbewegungen und der Ereigniskataster. Während sich die Gefahrenhinweiskarte ausschließlich auf Bauland (für Widmungen vor 2012) bezieht, findet sich im Ereigniskataster eine Dokumentation von Schadensereignissen (mit Fokus auf Steinschläge und Rutschungen).

Da sich der gegenständliche Kriterienkatalog vorwiegend auf land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen bezieht, können die beiden genannten Quellen für geogene Risikobereiche nur eine Zusatzinformation zum Thema bieten. Prinzipiell gilt daher, dass der Baugrund als vom Bauherrn beigestellter Stoff anzusehen ist (Baugrundrisiko = Bauherrenrisiko). Jedenfalls sollte sichergestellt sein, dass der Standort frei von Naturgefahren ist.

Weiterführende Informationen

Wasserwirtschaft

Ausschlusskriterien

  • Der 30-jährliche Hochwasserabflussbereich, rote Gefahrenzonen gemäß Gefahrenzonenplänen nach dem Forstgesetz sowie dem Wasserrechtsgesetz sowie HW-Rückhalte- und Retentionsbecken.
  • An Bächen und Flüssen (Gewässer im Sinne des Ö. Wasserrechtsgesetzes) ist generell ein 30m breiter Uferrandstreifen, gemessen vom bestehenden Uferbewuchs bis zur Widmungsfläche der PV-FFA, als Sicherheitsabstand einzuhalten. Wenn kein Uferbewuchs vorhanden ist, wird von der Böschungsoberkante des Gewässers gemessen.
  • Bei Gewässern mit einem hydromorphologisch sehr guten Zustand ist ein 50m breiter Uferbegleitstreifen, gemessen ab der Böschungsoberkante, freizuhalten. Bei ungewöhnlichen Uferverläufen wie z.B. ohne  ausgeprägte Böschungsoberkante oder bei Schluchtstrecken ist die Breite des Uferbegleitstreifens individuell festzusetzen
  • Schutzzone I (Fassungszone) und Schutzzone II (Engere Schutzzone) von Wasserschutzgebieten

Tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

  • Im 30- bis 100-jährlicher Hochwasserabflussbereich, sowie in den gelben Gefahrenzone gemäß Gefahrenzonenplanung nach dem Forstgesetz und dem Wasserrechtsgesetz ist die Standorteignung im Hinblick auf mögliche negative Auswirkungen auf Dritte nachzuweisen.
  • Innerhalb maßgeblicher Oberflächen- und Hangwasserabflussbereiche ist die Standorteignung im Hinblick auf mögliche negative Auswirkungen auf Dritte nachzuweisen.
  • Schutzzone III (Weitere Schutzzone) von Wasserschutzgebieten und Kernzone von Schongebieten und geplanten Schongebieten

Weiterführende Informationen

Forstwirtschaft

Ausschlusskriterien

  • Waldflächen im Sinne des Forstgesetzes
  • Neuaufforstungs- und Ersatzaufforstungsflächen
  • Mindestabstand im Ausmaß von 1 Baumlänge, jedoch mind. 30 m
Naturhaushalt

Ausschlusskriterien

  • Nationalpark und die zugehörigen potentiellen Erweiterungsflächen, samt bedeutender Trittsteinflächen (dienen zur Vernetzung der großflächigen Schutzgebiete)
  • Europaschutzgebiete: SPA´s (Special Protection Areas) und FFH (Flora-Fauna-Habitat) Gebiete, als Gebiete im Sinne der Vogelschutzrichtlinie und im Sinne der FFH-Richtlinie
  • Naturschutzgebiete
  • Naturdenkmäler (unter Beachtung eines ausreichenden Schutzabstands!)
  • Flächen mit laufenden Artenschutzprojekten
  • An Bächen und Flüssen ein 30 m Uferrandstreifen als absolutes Ausschlusskriterium
  • oberhalb einer Meereshöhe von 1.200 m (analog dem Tatbestand im Oö. Naturschutzgesetz)
  • Wildtierkorridore – Rot und Gelbzonen
  • Ökoflächen wie Moore, Sümpfe, Quelllebensräume, Feuchtwiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen und hochwertige Almflächen (auch uh. von 1.200 m ü A)

Tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

  • Naturparks
  • 500 m Seeuferschutz im Grünland
  • An Bächen und Flüssen ist der Uferschutzbereich von 30 bis 50 m bzw. bei Donau, Inn und Salzach der 200 m Bereich einer tiefergehenden Prüfung zu unterziehen (falls nicht HWA-Bereich schlagend wird).
  • Hinweis: Bäche und Flüsse im Sinne der Verordnung der Oö. Landesregierung über den Natur- und Landschaftsschutz im Bereich von Flüssen und Bächen (LGBl. Nr. 26/2017).“
  • Wildtierkorridore in Grünzonen und Übergangszonen (Habitate sind in der Regel Waldlebensräume und daher als Negativzone – Wald auszuscheiden)
  • Important Bird Areas (IBA´s), wenn Wiesen- bzw. Feldbrüter ausschlaggebend für das Gebiet sind
  • weitere Biotopflächen gemäß Biotopkartierungen bzw. Landschaftserhebungen ökologisch und naturschutzfachlich wertegebende Biotopflächen

Weiterführende Informationen

Landschaftsschutz

Ausschlusskriterien

  • Landschaftsschutzgebiete
  • geschützte Landschaftsteile
  • UNESCO-Weltkulturerbe
  • Standorte mit höchster Sensibilität:
    • Landschaftsteilräume mit besonderer landschaftskultureller Ausprägung (Bsp.: historische Flurformen, Stufenrainlandschaft, Lesesteinwälle, ehemalige Wegesysteme, etc.)
    • eigenartprägender Wirkungsbereich kulturhistorischer Landmarken (Bsp.: Kirchen, Klöster, Burgen, Schlösser, etc.)
    • vielfältige Kultur- und Naturlandschaften mit hoher Dichte an Landschaftselementen (Bsp.: Obstbaugebiete, Heckenlandschaft, Terrassenlandschaft, etc.)

Tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

  • Geltungsbereich der Alpenkonvention
  • Standorte mit hoher bis geringer Sensibilität (Bsp.: Siedlungsrandlage, Randlage zu Betriebsbaugebiet und technischer Infrastruktur, intensiv ackerbaulich genutzte Landschaftsteilräume, etc.) sind einer  landschaftsschutzfachlichen Detailprüfung zu unterziehen – Bewertungsmethode: „Naturschutzfachliche Beurteilung von Photovoltaikfreiflächenanlagen

Weiterführende Informationen

Energiewirtschaft

Aus energiewirtschaftlicher Sicht ergeben sich optimale Anlagenbereiche im Nahbereich von  Umspannwerken der Kategorie 110/30 kV-Ebene. Als Nahbereich wird ein 5 km Umkreis gesehen, wobei ein suboptimaler Nahbereich im Umkreis von 7,5 km zu betrachten ist.

Bei Berücksichtigung dieser Nähe zum Umspannwerk kann mit möglichst geringem Aufwand die höchstmögliche Energiemenge (ohne zusätzlichem Netzausbau) eingespeist werden.

Im jeweiligen Fachgebiet ein optimaler bzw. günstiger Bereich

  • Auf Basis der Abwägung von Netzausbaukosten zu einem größtmöglichen PV-Ausbau auf geeigneten Flächen besteht im Radius von 5 km um die bestehenden Umspannwerke „energiewirtschaftliche Priorität 1“ im Verteilnetz, da es sich dort um ein „volkswirtschaftliches Optimum“ handelt.
  • Als noch geeignet wird mit „energiewirtschaftliche Priorität 2“ ein 7,5 km Abstand zu bestehenden Umspannwerken (bezogen auf die 30 kV-Leitungen) definiert.

Tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

  • Im Einzelfall kann es angesichts des Kriteriensettings (bspw. weil am 30 kV-Strang in Nähe zum UW keinerlei geeignete Flächen zur Verfügung stehen) und auf Basis freier Netzkapazitäten naturgemäß auch Möglichkeiten zur Einspeisung für PV-Anlagen geben, welche ebenfalls keine bis geringe Netzinvestitionen auslösen, ohne nennenswerte Kapazitäten andernorts damit zu verunmöglich. Im Sinn der angeführten Regelung wären dies Einzelfallprüfungen mit „energiewirtschaftlicher Priorität 3“.

Ertragsabschätzung zum Nachweis des Effizienzkriteriums 1000 kWh / kWp (berechneter Ertrag in kWh pro  Jahr für die geplante Anlage dividiert durch die Summe der PV-Modulleistung der geplanten Anlage in kWp)

Raumordnung

Ausschlusskriterien

  • Regionale Grünzonen im Bezirk Eferding (regionales Raumordnungsprogramm Eferding)
  • Regionale Grünzonen in der Region Linz-Umland (regionales Raumordnungsprogramm Linz-Umland)

Weiterführende Informationen

Landwirtschaft und Bodenschutz

Funktion „Standortpotential für natürliche Pflanzengesellschaften“: Bau/Errichtung und Betrieb von Photovoltaikanlagen können erhebliche Auswirkungen auf das Standortpotential bzw. die natürlichen Pflanzengesellschaft zeigen.

Für die Landwirtschaft wird als Leitfunktion die „natürliche Bodenfruchtbarkeit“ (in Analogie zur  Bodenbonität) herangezogen.

Ausschlusskriterien

  • Böden mit hohem Standortpotential für natürliche Pflanzengesellschaften (Funktionserfüllungsgrad >= 4) sind unabhängig von der naturschutzfachlichen Beurteilung auszuscheiden.
  • Die Böden mit den beiden höchsten Kategorien der natürlichen Bodenfruchtbarkeit je Gemeinde sind unabhängig von der PV-Nutzung auszuscheiden.
  • Böden mit hoher bis sehr hoher natürlichen Bodenfruchtbarkeit (FEG>=4) sind unabhängig von der PV-Nutzung auszuscheiden.
  • Befindet sich die PV-Freiflächenanlage in einem energiewirtschaftlich sehr sinnvollen Bereich der Priorität 1 und 2, so gilt für PV-FFA: Böden mit sehr hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit (FEG=5) sind unabhängig von der PV-Nutzung  auszuscheiden.

Tiefergehende Prüfung bei diesen Kriterien erforderlich

  • Böden mit geringer bis mittlerer natürlichen Bodenfruchtbarkeit (FEG 2 bis 3) sind nur in Form einer Doppelnutzung (Agrar- und PV-Nutzung) zulässig.
  • Befindet sich die PV-Freiflächenanlage in einem energiewirtschaftlich sehr sinnvollen Bereich der Priorität 1 und 2, so gilt für PV-FFA: Böden mit mittlerer bis hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit (FEG 3 bis 4) sind nur in Form einer Doppelnutzung (Agrar- und PV-Nutzung) zulässig.

Im jeweiligen Fachgebiet ein optimaler bzw. günstiger Bereich

  • Reine PV-Freiflächenanlagen (ohne landwirtschaftlicher Doppelnutzung) sollen nur auf Böden mit der  niedrigsten Stufe (FEG = 1) erfolgen.
  • Böden mit hohem Standortpotential für natürliche Pflanzengesellschaften (Funktionserfüllungsgrad >= 4) sind unabhängig von der naturschutzfachlichen Beurteilung auszuscheiden.
  • Befindet sich die PV-Freiflächenanlage in einem energiewirtschaftlich sehr sinnvollen Bereich der Priorität 1 und 2, so gilt für PV-FFA: Reine PV-Freiflächenanlagen (ohne landwirtschaftlicher Doppelnutzung) sind in diesen Bereichen auf Böden mit geringer Stufe (FEG = 1 und 2) zulässig.

Weiterführende Informationen

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an: