Verdunstung auf Rekordniveau: Österreichs Wasserhaushalt verändert sich messbar

Mit Juni 2026 liefert die Studie neue Zwischenergebnisse, wie der Klimawandel den österreichischen Wasserhaushalt verändert. Im Mittelpunkt stehen drei eng verbundene Entwicklungen: eine deutlich gestiegene Verdunstung, sinkende Grundwasserstände und niedrigere Abflüsse in den Flüssen.

Verdunstung auf hohem Niveau

Die Verdunstung ist in Österreich zwischen 1980 und 2010 markant angestiegen und liegt seither auf einem sehr hohen Niveau. Die Messdaten zeigen für diesen Zeitraum eine Zunahme von rund 80 Millimeter pro Jahr – das sind 80 Liter Wasser pro Quadratmeter, die zusätzlich in die Atmosphäre entweichen, und entspricht einem Plus von rund 17 Prozent. Auf ganz Österreich hochgerechnet wird die Dimension greifbar: Jedes Jahr verdunstet hierzulande zusätzlich so viel Wasser, wie alle Menschen weltweit in einem Jahr trinken.

Auch nach 2010 steigt die Verdunstung weiter, allerdings deutlich langsamer – im Zeitraum 2010 bis 2025 um rund drei bis fünf Prozent. Dass die Zunahme schwächer ausfällt, ist aber keine Entwarnung: Ein wesentlicher Grund ist, dass die Böden zunehmend trockener sind und dadurch weniger Wasser für die Verdunstung zur Verfügung steht.
 

Markanter Rückgang des Grundwassers

Auch beim Grundwasser zeigen die Messdaten deutliche Veränderungen. Die Messdaten belegen in den vergangenen zehn Jahren eine starke Abnahme der Grundwasserstände. Im Mittel sanken diese um 30 bis 50 cm. Regional variieren die Veränderungen der Grundwasserstände - auf das gesamte Bundesgebiet umgelegt bedeutet dies jedoch eine markante Trendänderung im österreichischen Wasserhaushalt. Zum Vergleich: Die Wassermenge, die heute im Untergrund Österreichs weniger gespeichert ist als noch vor rund 20 Jahren, entspricht etwa dem fünfzehnfachen Volumen des Wörthersees.

Betroffen ist grundsätzlich ganz Österreich, besonders deutlich zeigt sich der Rückgang derzeit in Salzburg, Oberösterreich und Teilen des östlichen Kärntens. Auch die Flüsse passen ins Bild: In den vergangenen fünf bis zehn Jahren sind die Niederwasserabflüsse im Mittel ebenfalls deutlich zurückgegangen. Ursache sind die erhöhte Verdunstung und die geringeren Sommerniederschläge.

Wie verändert das unseren Alltag und Leben in Österreich langfristig?

Die Veränderungen sind in der Landwirtschaft bereits spürbar. Derzeit werden in Österreich nur wenige Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen bewässert – dieser Anteil könnte künftig steigen. Langfristig geht es dabei aber nicht nur um mehr Bewässerung, sondern ebenso um wasserschonende Bewirtschaftung und um Kulturen und Sorten, die weniger Wasser brauchen und besser mit Trockenheit zurechtkommen. Über die Landwirtschaft hinaus gewinnen Vorsorge, die enge Zusammenarbeit mit den Bundesländern und die langfristige Absicherung der Wasserversorgung an Bedeutung – von Investitionen in die Trinkwasser-Infrastruktur bis hin zur betrieblichen und überbetrieblichen Bewässerung.