Deutlich weniger Gletschermasse bis zur Mitte des Jahrhunderts
Bis zum Jahr 2050 werden in Österreich voraussichtlich 70 bis 80 Prozent der Gletschermasse verloren gehen – im Vergleich zum Jahr 2024. Wie rasch dieser Rückgang weiter voranschreitet, hängt vom globalen Erwärmungspfad ab. Klar ist aber schon heute: Aufhalten lässt sich das Abschmelzen nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr, nur sein Tempo kann beeinflusst werden.
Auffällig ist zudem, dass sich dieser Prozess in den vergangenen Jahren beschleunigt hat. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der Rückgang teilweise schneller verläuft, als frühere Modellierungen erwarten ließen.
Weniger Schnee, kürzere Schneedeckendauer
Auch beim Schnee zeigt sich ein klarer Trend: Im Mittel verkürzt sich die Schneedeckendauer
in Österreich um etwa einen Tag pro Jahr. Gleichzeitig nimmt die mittlere Schneehöhe um rund einen Zentimeter pro Jahr ab.
Bereits in den vergangenen Jahrzehnten ist die Schneedeckendauer in tiefen Lagen deutlich zurückgegangen. Diese Entwicklung wird sich mit weiter steigenden Temperaturen fortsetzen. Diese Entwicklung wird sich bei steigenden Temperaturen auch künftig weiter fortsetzen. Das zeigt ein Schneemodell, das im Rahmen der Studie entwickelt wurde. Es berechnet die Veränderung der Schneehöhe je nach Entwicklung der Temperaturen und des Niederschlags.
Daraus lässt sich ableiten, dass die mittlere Schneehöhe bis zur Jahrhundertmitte:
- in niederen Lagen (0-500 Meter) um etwa die Hälfte im Vergleich zu heute abnimmt
- Für mittlere Lagen zwischen 500 und 1.000 Metern verringert sie sich um rund 35 Prozent.
Diese Berechnungen bis 2050 basieren auf dem wahrscheinlichen Temperaturanstieg von 1 Grad. Bis zum Jahr 2100 wiederum wird in den ungünstigsten Szenarien mit einem Anstieg von 3 Grad gerechnet. Dann wird Schnee in niederen Lagen eine Ausnahme sein, in mittleren Lagen nimmt die Schneedecke um 60 bis 75 Prozent im Vergleich zu heute ab.
Was bedeutet das konkret?
Wasserhaushalt: Dort, wo Gletscher in Trockenzeiten bisher Abflüsse gestützt haben, fällt dieser Puffer zunehmend weg. Dort kann Wasser im Sommer knapper werden.
Land- und Wasserwirtschaft: Wenn in der warmen Jahreszeit weniger Wasser verfügbar ist, steigen die Anforderungen an Planung, Nutzung und Verteilung der Ressource Wasser.
Ökologie: Veränderte Abflussmuster, frühere Schneeschmelze und längere schneefreie Zeiten beeinflussen alpine und hochalpine Lebensräume.
Infrastruktur im Hochgebirge: Regionen und Anlagen, die bisher stark auf Gletscherwasser angewiesen waren, müssen sich auf veränderte Bedingungen einstellen.
Vorsorge wird wichtiger
Wenn natürliche Speicher wie Schnee und Eis an Bedeutung verlieren, gewinnen Anpassungsmaßnahmen an Bedeutung. Dazu zählen etwa besser vernetzte Versorgungssysteme, eine angepasste Steuerung von Stauseen oder die Identifikation alternativer Wasserquellen für hochalpine Infrastruktur.
Die Ergebnisse zeigen damit nicht nur, wie sich Österreichs Wasserhaushalt verändert. Sie schaffen auch eine wichtige Grundlage, um rechtzeitig vorzusorgen und regionale Engpässe abzufedern.
