Wieviel Wasserkraft vertragen unsere Gewässer noch?

Da in Oberösterreich bereits ca. 81,6 % des technischen nutzbaren Wasserkraftpotentiales durch rund 900 Wasserkraftwerke genutzt werden, ist das weitere Wasserkraft-Ausbaupotential begrenzt, da alle großen Fließgewässer wie Donau, Inn und Enns bereits weitgehend genutzt sind. Der steigende Strombedarf aus erneuerbaren Energieträgern wirft jedoch die Frage auf: „Wieviel Wasserkraft vertragen unsere Gewässer noch?“ Um diese bedeutende energiewirt-schaftliche Frage beantworten zu können, wurde im Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Umwelt- und Wasserwirtschaft, unter Beteiligung externer Institute und Büros die Studie „Oö. Wasserkraftpotentialanalyse 2012/13“ erstellt, die die vorhandenen Wasserkraftausbau- und Steigerungspotentiale an sogenannten "umwelt­­­­verträglichen Standorten" in Oberösterreich abgeschätzt hat. Neben dem umweltverträglichen Ausbau der Wasserkraft sind gleichzeitig in unseren Gewässern auch die Ziele der EU-Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL), den guten ökologischen Zustand zu erhalten bzw. wieder herzustellen, zu erreichen. Rund 78% unserer Fließgewässer (mit einem Einzugsgebiet > 10 km2) befinden sich aktuell in keinem guten ökologischen Zustand und weisen eine Zielverfehlung auf. 

Die Studie „Oö. Wasserkraftpotentialanalyse 2012/13“ hat ergeben, dass in Oberösterreich noch ein ökologisch verträgliches Ausbaupotential von ca. 114 GWh vorhanden ist. Zusätzlich sind mit ca. 374 GWh noch relativ hohe, ökologisch verträglichere Steigerungspotentiale bei den bestehenden Wasserkraftanlagen vorhanden, da das Wasserkraftpotential (häufig bei älteren Anlagen) oft nicht optimal energetisch genutzt wird. Die Hebung der Steigerungspotentiale z.B. durch Turbinen­optimierung ist aber ohne entsprechende Förderungen meist betriebswirtschaftlich nicht rentabel. Insgesamt sind in Oberösterreich daher noch ca. 488 GWh (das sind ca. 4,8 % des bereits genutzten Potentials) an nutzbarem Wasserkraftpotential vorhanden.

Entsprechend den Vorgaben des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans wurde zum Schutz ökologisch wertvoller Gewässerstrecken in Oberösterreich ein Regionalprogramm erstellt. Ziel dieses Regionalprogramms ist die Erhaltung von Gewässerstrecken mit sehr gutem hydromorphologischem Zustand (das sind naturnahe Gewässerstrecken) sowie mit besonderen gewässerökologischen Funktionen (das sind Laichplätze und Ausstrahlstrecken). In den geschützten Regionalprogramm-strecken ist eine Wasserkraftnutzung nur bei Einhaltung der Schutzziele des Regionalprogramms möglich. Das energiewirtschaftlich nicht nutzbare Potential dieser Gewässerstrecken in Oberösterreich wurde vom Energieinstitut an der JKU mit ca. 6 % berechnet. (s.h. Link: Regionalprogramm für besonders schützenswerte Gewässerstrecken)

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