Appell der Kinder- und Jugendanwaltschaft zum Terrorakt in Wien: Kinder durch kindgerechte Information auffangen

Landeskorrespondenz

(Presseaussendung vom 3.11.2020)

In einer ohnedies unsicheren Zeit sind Eltern in diesen Tagen besonders gefordert, ihre Kinder aufzufangen und ihnen ihre Ängste zu nehmen. „Wir alle sind erschüttert von den jüngsten Ereignissen in Wien. Durch die räumliche Nähe ist die Betroffenheit und Verunsicherung bei allen besonders groß. Kindgerechte Information, ob durch Gespräche, durch Bilderbücher oder Spiele, ist besonders wichtig und hilft, Gefühle auszudrücken. Keinesfalls dürfen Kinder und Jugendliche mit den schrecklichen Bildern und Informationen vom Terrorakt in Wien und ihren Fragen dazu allein gelassen werden“, so die oberösterreichische Kinder- und Jugendanwältin Mag.a Christine Winkler-Kirchberger.  

Kinder altersgerecht auffangen
Unter 7-jährige Kinder nehmen Stimmungen von Panik, Bedrohung und Verunsicherung ungefiltert wahr und reagieren besonders auf Angst erzeugende Geräusche. In dieser Altersgruppe sollten sie daher keine realen Berichte über Katastrophen wie die Terrorhandlungen in Wien sehen und schon gar nicht alleine Zeit vor dem Fernseher verbringen. Ihnen gilt es vorrangig das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Mal- und Bilderbücher helfen, einen altersgerechten Zugang zu ihren Ängsten zu bekommen. So können sie Fragen stellen und Antworten bekommen. 

Bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren hinterlassen Terrornachrichten vor allem ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Es ist wichtig, dass sie dieses Gefühl auch ausdrücken können. Kinder in diesem Alter brauchen vor allem eine faktenbasierte, aber kindgerechte Information über die Ereignisse. Nachrichtensendungen sollten sie daher nur gemeinsam mit den Eltern ansehen. Es braucht Raum zur Aufarbeitung durch klärende, aber kindgerechte Gespräche. Auch für diese Altersgruppe sind Bilderbücher, Kinderfilme oder Theaterstücke eine gute Möglichkeit, das Thema zu beleuchten.  

Jugendliche lesen häufig schon selbst Nachrichten, vor allem im Internet, oder tauschen ihre Meinung aus – etwa auf Facebook oder via WhatsApp. Zurzeit kursieren in sozialen Medien Videos von den schrecklichen Ereignissen in Wien. Diese Bilder sind zutiefst verstörend und können auch über die Distanz des Bildschirms traumatisierend wirken. Halten Sie Jugendliche dazu an, diese Videos nicht zu öffnen und auch nicht via Social Media weiter zu verbreiten. 
Jugendliche wollen nachfragen, diskutieren und sich oftmals auch engagieren. Dem gilt es entsprechenden Raum und Zeit zu geben. Hier sind neben den Eltern auch alle sonstigen Bezugspersonen, vor allem im Unterricht an den Schulen gefordert. Dem Recht auf Information und auf Mitsprache zu gesellschaftspolitischen Themen muss ein noch viel höherer Stellenwert eingeräumt werden, so der Appell der Kinder- und Jugendanwaltschaft

Vielfältiges Angebot der Kinder- und Jugendanwaltschaft 
Die KiJA OÖ bietet Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen Beratung und Information. Eltern können sich in der aktuellen Situation Tipps für Gespräche mit ihren Kindern und über geeignete Kinderbücher zum Thema „Terror“ holen.