Die Siegerinnen und Sieger stehen fest – Landesenergiepreis Energy Star 2018 vergeben

Landeskorrespondenz

Energiereferent LH-Stv. Dr. Strugl: „Die Siegerinnen und Sieger bringen ein Stück weiter am Weg zur Leitregion für Energie-Technologien“

 

(Presseaussendung vom 23.11.2018)

Oberösterreich hat sich in der oö. Energiestrategie „Energieleitregion 2050“ das Ziel gesetzt, zu einer Leitregion für Energie-Technologien zu werden. „Der Weg dorthin führt über Innovationen, die Lösungen für eine effiziente Energienutzung aufzeigen und die Entwicklung neuer Energie-Technologien“, ist Energie-Referent LH-Stv. Dr. Michael Strugl überzeugt. Mit dem Energie Star werden jedes Jahr jene Projekte prämiert, die Oberösterreich auf diesem Weg ein Stück weiter ans Ziel bringen. Sechs Projekte – initiiert von Unternehmen, Projektgruppen und Einzelpersonen – wurden im ORF-Landesstudio in Linz ausgezeichnet.

 

Mehr als 80 Projekte waren beim Oö. Landes-Energiepreis Energy Star 2018 eingereicht und von einer hochkarätigen Fachjury bewertet worden. Gestern fand im ORF Landesstudio die feierliche Verleihung der Preise statt. Vergeben wurde der Energy Star 2018 in den Kategorien „Energieinnovation – vor Ort und unterwegs“, „Energieinnovation – gemeinsam nutzen“, „Energieinnovation für nachhaltige Arbeitsplätze“ und „Energieinnovation lokal“. Zusätzlich wurde auch heuer wieder der „Young Energy Researchers Award“ vergeben, mit dem Arbeiten junger Forscherinnen und Forscher ausgezeichnet werden.

 

Zum Sieg gratulieren konnte LH-Stv. Dr. Michael Strugl:

  • in der Kategorie „Energieinnovation – vor Ort und unterwegs“ der Firma ÖkoFEN, Niederkappel/Lembach, die im Rahmen des Clean Mobility Programms E-Mobilität allen Mitarbeitern zugänglich macht
  • in der Kategorie „Energieinnovation – gemeinsam nutzen“ der Wohngemeinschaft Am Hummelhof in Thalheim, die als Pionierleistung die erste derartige PV-Gemeinschaftsanlage auf einer Wohnanlage errichtete
  • in der Kategorie „Energieinnovation für nachhaltige Arbeitsplätze“ der Firma TIGER Coatings in Wels, die mit neuen Bürogebäude Gemba Support Center (GSC) ein nachhaltiges Gebäude mit einem guten Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen hat
  • in der Kategorie „Energieinnovation lokal“ der Marktgemeinde Reichenau im Mühlkreis, die ihre Volksschule mit einem Maßanzug aus Holz sanierte

 

Mit dem Young Energy Researchers Award, für den mehr als 30 Arbeiten eingereicht wurden, ausgezeichnet wurden:

  • Lukas Leitner, Absolvent des Studiums Industrielle Energietechnik an der Montanuniversität Leoben, für seine Arbeit „Methodik zur Speicherbedarfsermittlung und Lastflussminimierung“
  • Clara Mühlegger, Angelika Wimmer und Sarah Tonini, Schülerinnen der HTBLA Hallstatt, für ihr Maturaprojekt „Einsatz von Moosen im Bauwesen“

 

Details zu den Siegerprojekten

Energieinnovation - vor Ort und unterwegs: E-Autos für alle!

„Elektroautos für alle“ ist das Motto des ÖkoFEN Clean Mobility Programms, das E-Mobilität allen Mitarbeiter/innen zugänglich macht. Der Belegschaft wurde angeboten, gegen einen geringen monatlichen Selbstbehalt ein E-Dienstauto mit Privatnutzung zu erwerben. Das Echo war sehr positiv und im ersten Schritt wurden bereits 25 % der Belegschaft von ÖkoFEN im Mühlviertel mit Elektroautos ausgestattet. Die 25 Mitarbeiter/innen haben sich für einen BMW i3 oder einen Renault Zoé entschieden.

 

Geleichzeitig wurde auch die Ladeinfrastruktur an den Standorten Niederkappel und Lembach von 8 auf 26 Stromtankstellen erweitert. An beiden Firmensitzen sind mehrere stromerzeugende Pelletsheizungen in Betrieb, zusätzlich wurden vorhandene PV-Flächen erweitert und Batteriespeicher installiert. Rund zwei Drittel des erforderlichen Stroms werden so durch Photovoltaik, Wasserkraft und stromerzeugende Pelletsheizungen selbst vor Ort erzeugt. Zusammen mit den bereits vorhandenen E-Autos im ÖkoFEN-Fuhrpark werden jährlich 23.000 Liter Treibstoff eingespart.

 

Energieinnovation - gemeinsam nutzen: Erste PV-Gemeinschaftsanlage in

PV-Anlagen haben in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet und viele Einfamilienhäuser, Gemeindeobjekte und Betriebe sind bereits mit PV-Anlangen ausstattet. Schwierig war die Umsetzung bisher bei Wohnanlagen, die nicht im Eigentum einer Person stehen. Hier gibt es nun seit kurzem die rechtliche Möglichkeit, eine PV-Anlage zu installieren und den Strom gemeinschaftlich zu nutzen.

 

Die Wohngemeinschaft Am Hummelhof in Thalheim hat als Pionierleistung die erste derartige PV-Gemeinschaftsanlage auf einer Wohnanlage errichtet. Die 15 kWp Anlage wurde im Juni in Betrieb genommen und versorgt 6 Haushalte mit Strom. Während in einem durchschnittlichen Haushalt nur rund 30% des erzeugten PV-Stroms selbst genutzt werden kann, ist es durch die gemeinsame Nutzung der PV-Anlage und intelligenter Steuerung gelungen, rund 80% des PV-Stroms in den 6 beteiligten Haushalten selbst zu nutzen. 

 

Energieinnovation für nachhaltige Arbeitsplätze: Das neue TIGER Bürogebäude - simply good

Mit dem neuen Bürogebäude Gemba Support Center (GSC) der Firma TIGER Coatings in Wels wurde ein nachhaltiges Gebäude mit gutem Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter/innen geschaffen. Das neue Gebäude mit 1800 Bruttogrundfläche und einer Energiekennzahl von 22,5 kWh/m²a (HWB) setzt in allen Bereichen auf höchste Effizienz. Zur Wärmebereitstellung wird die vorhandene Abwärme der Produktion verwendet und eine Leistungszahl der Wärmepumpe von über 6 erreicht. Für die Kälteversorgung werden abgehängte Kühldecken eingesetzt, die erforderliche Energie kommt aus dem Grundwasserbrunnen. Intelligente Sonnenschutzgläser machen Jalousien überflüssig und sparen rund 6% des Energieverbrauchs gegenüber vergleichbaren Fassaden ein. LED-Beleuchtung und Tageslichtnutzung sind selbstverständlich. Der Energieverbrauch wird mit einer Monitoring Software überwacht und die Lüftungsanlage mittels CO2-Steuerung optimal abgestimmt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Vergleich zu konventionellen Systemen, werden jährlich bei der Heizung rund 125.000 kWh und bei der Kühlung ca. 135.000 kWh eingespart.

 

Energieinnovation lokal: Ein Maßanzug aus Holz für die Volksschule Reichenau

Die in den 1970er- Jahren errichtete Volksschule in Reichenau im Mühlkreis platzte aus allen Nähten. Was ursprünglich als Volksschule geplant war, wurde mittlerweile auch als Hort und Kindergarten genutzt. Die Herausforderung bestand darin, das Gebäude zeitgemäß, funktional und barrierefrei zu sanieren, umzubauen und zu erweitern und thermisch wie technisch auf den letzten Stand zu bringen - und dies bei begrenzten öffentlichen Budgets. Damit ein Teil der bestehenden Fassade weiterverwendet werden konnte, wurde eine neue thermische Hülle in Holz-Riegelbauweise über das Gebäude gestülpt. Durch die vorgelagerte Fassade konnte einerseits Speichermasse gewonnen und andererseits ein steuerbarer Sonnenschutz installiert werden. Auf Umweltfreundlichkeit wurde größter Wert gelegt, eine PV-Anlage mit 11 kWp sorgt für Strom und die Beleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt. Mit der nachhaltigen Sanierung ist es gelungen, trotz einer Flächenvergrößerung des Schulgebäudes um 60%, den Heizwärmebedarf um ca. 50% zu senken und jährlich rund 245 Tonnen CO2 einzusparen.

 

Siegerprojekte Young Energy Researchers Award

Der Young Researchers Award 2018 zeichnet Arbeiten junger Forscher/innen in den Themenbereichen erneuerbare Energie und Energieeffizienz aus. Eingereicht werden konnten u.a. Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen sowie Forschungsprojekte von CTC-Partnern, zu denen junge Forscher/innen einen wesentlichen Beitrag geleistet haben. Mehr als 30 Arbeiten wurden eingereicht und von einer Fachjury bewertet.

 

Lukas Leitner: "Methodik zur Speicherbedarfsermittlung und Lastflussminimierung"

Durch die zunehmende Einbindung erneuerbarer, schwankender Energieerzeuger steigt die Lücke zwischen zeitlicher und örtlicher Verfügbarkeit und Nachfrage von elektrischer Energie. Dies führt zu einem steigenden Bedarf an Flexibilitätsoptionen, wie Energiespeicherung und Sektorkopplung. Im Zuge der prämierten Masterarbeit wurde ein Modell entwickelt, das die Energieträger Strom, Wärme und Gas abbildet und mit Energienetzstrukturen und Energiespeichern verknüpft. Damit ist eine Energiesystemanalyse und im Weiteren eine Systemoptimierung möglich.

 

Clara Mühlegger, Angelika Wimmer und Sarah Tonini, HTBLA Hallstatt:  Maturaprojekt  "Einsatz von Moosen im Bauwesen“

Die Projektgruppe führte experimentelle Untersuchungen zur Verwendung von Moosen als Dicht- und Dämmstoff durch und tüftelte an ökologischen und ökonomischen Konzeptvorschlägen. Bauphysikalische Untersuchungen und Berechnungen zu den Eigenschaften von Torfmoosen wurden durchgeführt und ein normgerechter Fenstereinbau auf Basis ökologischer Materialien geplant.