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Vom Staatsvertrag bis zur Gegenwart

Hier erhalten Sie Informationen zu Politik, Wirtschaft, Kultur, Sozial- und Bildungspolitik der Zweiten Republik.

Als am 15. Mai 1955 der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wurde, der die Besatzungszeit beendete, und im Oktober die letzten alliierten Soldaten Österreich verließen, waren das österreichische Staatswesen und das Bundesland Oberösterreich bereits so konsolidiert, dass man nicht ängstlich in die Zukunft blicken musste.

 

Die politische Landschaft Oberösterreichs veränderte sich nicht mehr allzusehr, nachdem Österreich seine Unabhängigkeit wiedergewonnen hatte. Der Neubeginn des demokratischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich in Oberösterreich nach provisorischen Übergangslösungen auf der Grundlage der Landesverfassung 1930 vollzogen, die mit dem Gesetz vom 20. März 1946 großteils rückwirkend auf die erste Landtags-Versammlung am 13. Dezember 1945 mit einigen Abänderungen wieder in Kraft gesetzt worden war. Dieses Gesetz konnte jedoch erst 1954 publiziert werden, da die alliierten Besatzungsmächte anfänglich die Zustimmung verweigerten. Dieses Gesetz sah u.a. die Wahl dreier Landtagspräsidenten durch den Landtag vor und wurde am 12. Februar 1969 durch Landtagsbeschluss neuerlich novelliert. Eine abermalige Überarbeitung erfuhr das Landes-Verfassungsgesetz 1954 durch die Landes-Verfassungsgesetznovelle 1971.

 

Ähnlich wie die politischen Parteien fanden in Oberösterreich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch die beiden großen Kirchen, die katholische und die evangelische, zu einem tragfähigen gegenseitigen Vertrauensverhältnis, das sich trotz des großen zahlenmäßigen Übergewichtes der Katholiken in ökumenischem Geiste bis heute weiter verbessert hat. Beide Kirchen hatten eine rege Bautätigkeit entwickelt.

 

Wirtschaftlich verzeichnete Oberösterreich nach 1955 in den von einigen Schwankungen unterbrochenen Phasen der Hochkonjunktur eine gewaltige Aufwärtsentwicklung. Das frühere Agrarland war durch den Ausbau seit 1938 eines der führenden österreichischen Industrieländer geworden. Größter und bedeutendster heimischer Arbeitgeber ist die VOEST-Alpine in Linz. Von den Auswirkungen der weltweiten Rezession im Gefolge des sogenannten Ölpreisschocks im Jahre 1974 blieb auch die oberösterreichische Wirtschaft nicht verschont. Dazu kamen die Folgen des Einsatzes neuer betrieblicher Hochtechnologien, die ebenfalls zum Ansteigen der Arbeitslosenrate beitrugen. Auch in den verstaatlichten Großbetrieben mussten viele Arbeitskräfte entlassen werden.

 

Im sozialen Bereich kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu zahlreichen tiefgreifenden Veränderungen, deren Ergebnis unsere heutige moderne pluralistische Wohlstandsgesellschaft ist. Was die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse und der Sozialleistungen in Österreich betrifft, so sei aus der Fülle der einschlägigen Gesetze beispielsweise auf das mittlerweile oftmals novellierte Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, auf die Herabsetzung der allgemeinen Arbeitszeit, die Einführung der Renten- und Pensionsdynamik, auf die Erhöhung der Mindesturlaubszeit, auf die finanzielle Abfertigung auch für Arbeiter oder auf die Einführung einer oberösterreichischen Fernpendlerbeihilfe hingewiesen.

 

Der wachsende Wohlstand der oberösterreichischen Bevölkerung ist nicht zuletzt an der rasant zunehmenden Motorisierung abzulesen. Mit dieser Motorisierungswelle gingen ein zügiger Ausbau und eine wesentliche Verbesserung des oberösterreichischen Straßennetzes einher. In diesem Zusammenhang ist auch die weitgehende Elektrifizierung des oberösterreichischen Eisenbahnnetzes zu erwähnen sowie der Ausbau des Linzer Donauhafens und des internationalen Flughafens Linz-Hörsching, der in der Zeit des Nationalsozialismus als Militärflugplatz angelegt worden war.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Land Oberösterreich eine weitgefächerte Kultur- und Bildungspolitik. Eine Reihe neuer, in Linz ansässiger Institutionen wurde geschaffen: nach verschiedenen Vorstufen ein eigenes Kulturreferat bzw. eine Kulturabteilung beim Amt der Landesregierung, 1946 ein "Institut für Landeskunde von Oberösterreich", das allerdings 1972 wieder aufgelöst wurde, 1950 das "Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich" sowie 1955 das "Landesinstitut für Volksbildung und Heimatpflege in Oberösterreich". 1963 wurde das Linzer Schlossmuseum als neue Heimstätte der kulturhistorischen Abteilungen des Oö. Landesmuseums eröffnet. Einen bedeutenden kultur- und bildungspolitischen, denkmalpflegerischen und nicht zuletzt auch wirtschaftlichen Stellenwert gewannen die seit 1965 veranstalteten großen kulturgeschichtlichen Landesausstellungen. Das Linzer Landestheater ging 1956/57 in die Verwaltung des Landes über. In den fünfziger und sechziger Jahren erwuchs mit dem Fernsehen weniger den Theatern als vielmehr den Kinos ein übermächtiger neuer Konkurrent. Das seit 1968 als Bruckner-Orchester neuorganisierte Orchester des Landestheaters konnte besonders unter seinen Dirigenten Fritz Wöss und Theodor Guschlbauer steigendes Ansehen gewinnen. 1974 nahm die Stadt Linz gemeinsam mit dem Land Oberösterreich die Tradition der seither jährlich durchgeführten Internationalen Brucknerfeste wieder auf. Das ihnen im Rahmen verschiedener Begleitveranstaltungen seit 1979 angeschlossene Avantgarde-Festival "Ars Electronica" fand seit 1982 in Abständen von zwei Jahren statt und wurde 1986 im Ein-Jahres-Rhythmus verselbstständigt. Beweise für die großen Anstrengungen, welche die Landeshauptstadt Linz nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem kulturellen Sektor unternahm, sind weiters die 1948 mit Hilfe des deutschen Kunsthändlers und -sammlers Wolfgang Gurlitt gegründete "Neue Galerie der Stadt Linz - Wolfgang Gurlitt-Museum", die 1979 in dem monströsen Neubau Lentia 2000 eine gute Heimstätte fand, und das Museum der Stadt Linz, das 1973 in das ehemalige Stift Nordico einzog.

 

Zu den wichtigsten bildungspolitischen Maßnahmen in der Zeit der Zweiten Republik zählt neben der Erwachsenenbildung der enorme Ausbau des Netzes der Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Mittelschulen. Das umfassende Schulgesetzwerk des Jahres 1962, das nach dem erfolgreichen Abschluss von der neuen verfassungsrechtlichen Situation Rechnung tragenden Konkordatsverhandlungen zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl im Jahre 1960 möglich geworden war, stellte schließlich das bereits in der Ersten Republik reformierte österreichische Schulwesen auf eine völlig neue Grundlage. Die Ortsschulräte wurden abgeschafft, die allgemeine Schulpflicht wurde ab 1966 auf neun Jahre verlängert, der Übertritt von der Hauptschule in das Gymnasium erleichtert, ein Polytechnischer Lehrgang als Berufsvorbereitung für die Vierzehnjährigen eingerichtet, die bisherigen Mittelschulen wurden in Allgemeinbildende und Berufsbildende Höhere Schulen umgewandelt, und für die Ausbildung der Volks- und Hauptschullehrer schuf man neue Pädagogische Akademien. Dank zäher und zielstrebiger Bemühungen ging auch der alte Wunsch nach einer Hochschule bzw. Universität in Erfüllung. Die 1962 gesetzlich errichtete Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz wurde am 8. Oktober 1966 feierlich eröffnet. Nach dem Ausbau und der Erweiterung um eine Rechtswissenschaftliche und eine Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät trägt sie seit 1975 den Namen "Johannes Kepler-Universität Linz".

 

In der schweren Krise der verstaatlichten Großindustrie in den achtziger Jahren bewährte sich die breitgestreute Wirtschaftskraft im Land; auch Umweltbedrohungen wurden noch rechtzeitig erkannt, man konnte erfolgreich gegensteuern. Heute sichert sich Oberösterreich als starke und selbstbewusste Region seinen Platz in der zusammenwachsenden Europäischen Union.

 

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