LR Anschober: Für jedes Legehuhn wird ein Hahnenküken getötet – Pilotprojekt aus Oberösterreich zeigt Alternative

Landeskorrespondenz

(LK) Rund um Ostern werden alleine in Oberösterreich 12 Millionen Eier verspeist. Ein guter Grund, sich mit den Lebensbedingungen der Legehennen auseinander zu setzen – und mit dem bisher sehr kurzen Leben ihrer Brüder:

Fast 9,5 Millionen männliche Küken wurden in Österreich 2014 getötet, Tendenz steigend – 2013 waren es laut Statistik Austria noch rund eine Million weniger. In Deutschland sind es jedes Jahr 40 Millionen – die männlichen Küken werden getötet, sobald sie geschlüpft sind und ihr Geschlecht festgestellt wurde. Diese Praxis wird seit vielen Jahren aus Sicht der Tierethik kritisiert, ist in der Eierproduktion aber gängige Praxis, weil für die Brüder der Legehennen keine Verwendung gegeben ist: Sie können keine Eier legen, und für die Fleischproduktion eignen sie sich nicht, weil sie zu langsam wachsen und zu wenig Fleisch ansetzen, sodass sich eine Aufzucht für den Produktionsbetrieb nicht rentieren würde. Der deutsche Landwirtschaftsminister hat angekündigt, bis 2017 das massenhafte Töten der Brüderhähne beenden zu wollen.

Ein Ausweg sind Projekte, die versuchen, Hühner-Rassen zu finden, die gute Legeleistungen bringen und bei denen die männlichen Küken zur Mast verwendet werden können. Ein Bio-Pilotprojekt aus Schlierbach (Geflügel GesmbH Schlierbach) versucht, dies umzusetzen und im eigenen – großen – Bereich per Jahresbeginn 2016 eine vollständige Umstellung auf sogenannte Zweinutzungshühner zu erreichen: Diese Hühner-Rasse kann dann sowohl für die Eier-, als auch für die Fleischproduktion verwendet werden. Der erste Teil des Pilotversuches ist erfolgreich in Umsetzung, konnte sich Konsument/innenschutz-Landesrat Rudi Anschober vergangene Woche bei einem Lokalaugenschein überzeugen: „Ich gehe davon aus, dass es nach dem erfolgreichen Pilotversuch einen Umstieg im gesamten österreichischen Biobereich im Lauf des Jahres 2016 gibt – rund 10 % Marktanteil – und appelliere an Landwirtschaftsminister Rupprechter, sich wie sein deutscher Kollege für einen Gesamtausstieg einzusetzen, zum Beispiel mit einem Umstiegsprogramm, das Geflügel-Rassen wie das Zweinutzungshuhn voranbringt. Was im Biobereich möglich ist, muss bei ordentlicher Übergangsfrist generell machbar sein.“