LR Anschober / 6 Jahre nach dem Atomunfall von Fukushima: Risikoreaktoren schließen! Gutachten über bayrisches AKW Gundremmingen zeigt: rasche Schließung erforderlich!

Landeskorrespondenz

(Presseaussendung vom 10.3.2017)

Nur rund 300 Kilometer Luftlinie entfernt von Oberösterreich liegt das bayrische Atomkraftwerk Gundremmingen, mit den beiden letzten noch betriebenen deutschen Siedewasserreaktoren und langjährig bekannten Sicherheitsmängeln. Block B soll Ende dieses Jahres abgeschaltet werden, für Block C läuft die Genehmigung noch bis 2021 – Probleme im AKW und die Sicherheitsgefahr für die Bevölkerung sind aber aktueller denn je.

 

Ein neues Gutachten von zwei langjährigen Sachverständigen der Gesellschaft für Reaktorsicherheit, Manfred Mertins und Lothar Hahn, aus Deutschland kommt zum Schluss: Gundremmingen verstößt gegen die deutschen AKW-Anforderungen, die notwendigen Voraussetzungen zur Störfallbeherrschung sind nicht gegeben. Hauptgrund: Das Not- und Nachkühlsystem des AKW ist nicht erdbebensicher, im Erdbebenfall wäre eine Kernschmelze nicht auszuschließen.

Wie Ausbreitungsrechnungen in einer Risikoanalyse der BOKU Wien zeigen, besitzt das AKW Gundremmingen bei Annahme eines schweren Unfalls ein hohes grenzüberschreitendes Gefährdungspotenzial auch für Oberösterreich.

 

LR Rudi Anschober: „Aus dem neuen Gutachten aus Deutschland ergibt sich die klare Forderung nach einer sofortigen Schließung des AKW Gundremmingen. Gerade der 6-jährige Gedenktag zum Atomunfall von Fukushima am Samstag muss uns mahnen, und darf offensichtliche Wirtschaftsinteressen nicht wieder und wieder vor die Gesundheits- und Sicherheitsinteressen der Bevölkerung stellen. Gemeinsam mit der von mir mitgegründeten Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg fordere ich die rasche Stilllegung der bekannten Risikoreaktoren, wie Gundremmingen, sowie insgesamt klare maximale Laufzeiten, denn die ohnehin Hochrisikotechnologie Atomkraft wird mit zunehmendem Alter und Versprödung des Materials von Tag zu Tag gefährlicher. Wir werden uns mit allen rechtlichen und politischen Mitteln gegen die Gefährdung durch alternde Schrott-Reaktoren an unseren Grenzen einsetzen.“

 

Oö. Stellungnahme zur UVP: Rasche Lösung für Brennstäbe!

Im Zuge einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung für die Stilllegung des Block B in Gundremmingen gab für Oberösterreich der Antiatom-Beauftragte DI Dalibor Strasky eine Stellungnahme ab und weist dabei auf ein weiteres Sicherheitsproblem in Gundremmingen hin. Denn im Abklingbecken des AKW Gundremmingen lagern aktuell mehr als 2.000 (!) alte Brennstäbe, die Ältesten aus dem Jahr 1986. Eigentlich sollten diese maximal 5 Jahre  liegen bleiben, das Lagerbecken liegt außerhalb des Sicherheitsbehälters, geschützt nur durch eine ca. 40 cm dicke Betondecke und stellt daher ein Hochrisiko dar. Im Zuge der Abschaltung fordert daher, die Brennstäbe möglichst rasch aus dem Abklingbecken zu entfernen – anders als dies bisher gehandhabt wurde.