Bezirkshauptmannschaft Schärding
Ludwig-Pfliegl-Gasse 11-13 • 4780 Schärding

Telefon (+43 7712) 31 05-0
Fax (+43 7712) 31 05-27 03 99

E-Mail bh-sd.post@ooe.gv.at
www.bh-schaerding.gv.at

Geschichte und Geografie

Zur Geschichte:

Der Bezirk Schärding ist Teil einer uralten Kulturlandschaft, die seit der Jungsteinzeit besiedelt ist und vielen Völkern Heimstatt gegeben hat.

Im Jahre 15 n.Chr. stießen die Römer bis an die Donau vor, dabei trafen sie auf einen blühenden keltischen Kulturraum, in dem es Großsiedlungen ebenso gab wie Befestigungsanlagen, Burgen, Märkte und hochentwickelte Geldwirtschaft. Durch die Eingliederung in das Römische Reich erfuhr das Land Sicherheit innerhalb der militärischen Grenze, dem Limes. Eine wichtige Römerstraße verband Juvavum (Salzburg) mit Castra Batava (Passau). Eine wichtige Versorgungsstraße war auch die Limesstraße zwischen Passau und Lauriacum unmittelbar an der Grenze gegen die Germanen. Diese drängten immer stärker zur Donau, was König Odoaker 488 n. Chr. veranlasste, die Truppen nach Süden abzuziehen.

Etwa 30 Jahre später wanderten donauaufwärts die westgermanischen Bajuwaren ein und besetzten das Land zwischen Wienerwald und Lech. Ortsnamen auf "-ing", "ham" und "-heim" zeigen deutlich die Wege auf denen die Landnahme erfolgte. Aus der Siedlung eines Skardo mit seiner Sippe entstammt der Name der Bezirksstadt "Scardinga".

Die folgenden Jahrhunderte waren gekennzeichnet von erbitterten Kämpfen um die Inn-Salzach-Linie. 1156 wurde Österreich durch die Erhebung zum Herzogtum aus Bayern herausgelöst, den Rest konnte Heinrich der Löwe für sich gewinnen. Er belehnte Otto von Scheyern mit dem Grafenamt von Burghausen wozu auch die Landgerichte Weilhart, Ried und Schärding gehörte. Dieser Otto von Scheyern – später von Wittelsbach genannt- wurde als getreuer Parteigänger Kaiser Friedrichs des I. Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehnt.

1777 erlosch die bayrisch-wittelsbachische Linie, Kaiser Josef der II. erhob ebenso Erbansprüche wie der Kurfürst Friedrich Christian von Sachsen. Maria Theresia sah die sich anbahnenden Verwicklungen voraus und bemüht, ihren Sohn von seinem Anspruch abzubringen. Es folgte eine Kriegserklärung Preussens an Österreich und der Einmarsch von Truppen in Böhmen. Damit begann der bayrische Erbfolgekrieg, der bei den Österreichern als Zwetschkenrummel in die Geschichte einging, weil es in diesem Krieg kaum zu Kampfhandlungen gekommen war, dafür aber umso mehr gestohlen wurde. Auf Vermittlung Maria Theresias kam es in der schlesischen Kleinstadt Teschen zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages, der am Geburtstag Maria Theresias am 13.5.1779 unterzeichnet wurde. Von Kaiser Josefs des II. Plänen blieb nicht viel übrig. Österreich bekam den Teil von Bayern, der zwischen Donau, Inn und Salzach lag. Das Gebiet wurde als fünftes Landesviertel dem Erzherzogtum Österreich angegliedert und als "Innviertel" proklamiert. Damit hatte das Land ob der Enns plötzlich fünf Viertel. Man half sich damit, dass man die nördlich der Donau gelegenen Viertel, das Mühl- und das Machlandviertel zu einem Viertel vereinigte, dem "Mühlviertel".

1789 brach die französische Revolution aus, 1792 setzten die Koalitionskriege ein, in denen sich insbesondere Österreich, England und auch Rußland gegen das Vormachtstreben Frankreichs wehrten - und unterlagen. Durch den Wiener Frieden kam das Innviertel zu Frankreich und wurde anschließend Bayern als Salzachkreis eingegliedert. Bis 1816 war Salzburg die Hauptstadt des Innviertels, dann wurde es gem. dem Wiener Kongress wieder an Österreich übergeben.

Im März 1938 marschierten deutsche Truppen ein, Schärding wurde als Teil von Oberdonau dem deutschen Reich eingegliedert. Am 2. Mai 1945 besetzten amerikanische Soldaten das Land. Durch den Staatsvertrag vom 5. Mai 1955 wurde auch der Bezirk Schärding wieder frei.

Die Stadt Schärding, ein Zusammenfluss von Inn, Pram und Rott bedingte schon früh die menschliche Ansiedlung und waren auch der Grund für den Aufstieg einer blühenden Handelsstadt im Mittelalter. Unter den Wittelsbachern (ab 1248) entwickelte sich Schärding zu einem wichtigen Maut- und Brückenort, der sich geschickt in einen reichen Innhandel mit Salz, Erzen, Holz und Tuchwaren einschaltete. Im 13. Und 14. Jahrhundert wurde der Stadtplatz angelegt, die Häuserreihe, die sogenannte "Silberzeile" gründet noch heute vom Reichtum der angesehenen Kaufmanns- und Bürgerfamilien. Die Grenzlage zwischen Bayern und Österreich brachte auch Nachteile für die Stadt. In jedem Jahrhundert stürmte wenigstens ein- bis zweimal der Krieg in aller Heftigkeit über die Stadt hinweg.

Die Grenzziehung 1779 und 1816 brachte Schärding in große wirtschaftliche Bedrängnis. Alte Handelsbeziehungen waren zerschnitten, der Inn als Handelsweg bedeutungslos als durch die Eisenbahn, die Innschifffahrt erlosch.

1892 richtete Dr. Otto Ebenhecht, ein Schüler von Sebastian Kneipp in Schärding eine Kuranstalt ein. Das Kneipp- und Gesundheitszentrum der Barmherzigen Brüder ist das älteste Kneippzentrum Österreichs.

Granitsteinbrüche stellen einen alten Schärdinger Wirtschaftszweig dar, ermöglicht durch den Anschluss von Schärding an das Eisenbahnnetz 1860. Bis zu 600 Arbeiter, zum Teil auch Fremde, insbesondere Italiener, waren beschäftigt. Heute werden im Steinbruch Gopperding ca. 100.000 Tonnen Gestein pro Jahr abgebaut und vor allem zu Pflastersteinen, Fenster und Torbögen, Treppen und Platten verarbeitet. Verstärkte Konkurrenz kommt aus den Oststaaten der Türkei und insbesondere aus Indien, Korea und China.

Der Sauwald ist Teil der böhmischen Masse, die durch Inn und Donau abgetrennt wurde. Die Gesteine sind entweder durch langsames Erstarren einer aus der Tiefe aufsteigenden flüssigen Gesteinsmasse dem Magma entstanden oder aus älteren in großer Tiefe versenkten Gesteinen, sogenannte Umwandlungsgesteine.

Um 520 wanderten Bajuwaren in die Gegend ein und nahmen das Land in Besitz. Schärding und Schardenberg verdanken der Sippe eines Skardo ihre Namen. Mit einer Höhe von 895 m ist der Haugstein die höchste Erhebung des Innviertels. Es wird vermutet, dass hier schon die Römer eine Signalstation betrieben haben. Heute zieht vor allem die landschaftliche Schönheit die zahlreichen Besucher an. Im Winter bietet eine Langlaufloipe und ein Schlepplift die Möglichkeit für den Wintersport.

1979 nahm die Radarstation Kohlberg den Betrieb auf. 1994 wurde sie privatisiert und von der Austro Controll Ges.m.b.H. in Wien übernommen. Auf dem 25 m hohen Turm befinden sich zwei Radarantennen, die sich fünf Mal pro Minute drehen und elektromagnetische Wellen aussenden. Befindet sich ein Flugobjekt innerhalb von 300 km so werden diese Signale reflektiert und von der Antenne erfasst. Die erfassten Daten werden sofort an das Flugverkehrskontrollzentrum Wien und für das Bundesheer zum Kolomannsberg zur Verarbeitung weitergeleitet.

Die Radarstation liegt im Gebiet der Marktgemeinde Kopfing, wo auch Johann Nepumuk Hauser geboren wurde. Er war von 1908 bis 1927 Landeshauptmann von Oberösterreich. Kopfing hieß noch lange "Klein-Tirol", weil nach dem Pestjahr 1649 Tiroler angesiedelt wurden, nachdem die Bevölkerung des Ortes fast ausgestorben war.

Erstmals 1325 urkundlich genannt ist Waldkirchen a. Wesen. Es liegt an der Donau, einem uralten Siedlungsraum. Schon vor etwa 4000 Jahren war die Gegend bewohnt, ein Fund eines Schwertes aus reinem Kupfer belegt die Besiedelung. Während der Römerzeit diente die Schifffahrt vor allem militärischen Zwecken. Später wird berichtet, dass Schiffe mit Salz den Passauer Wald entlang gefahren sind, ebenso wird vom Transport von Sklaven, Pferden, Rindern und Lebensmittel als Handelsware berichtet.

Im 12. und 13. Jahrhundert durchzogen mehrmals starke Kreuzritterheere das Gebiet.

Im 13. Jahrhundert war das Obere Donautal noch eine sehr unsichere Gegend. Fürsterzbischof Wernhart von Passau beschloss 1293 durch die Gründung eines Klosters ein ruhiges Reisequartier zu schaffen. Heute ist Engelszell das einzige Trappistenkloster Österreichs. Sie leben nach dem Motto des Hl. Benedikt ora et labora. Gesprochen wird nur das Notwendigste und das nur zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten. Dem Stift ist auch ein Pflegeheim angeschlossen.

Vielfach war das Gebiet der Donau von außergewöhnlichen Hochwassern betroffen. Erst die Errichtung von Kraftwerken konnte ihre Gewalt zum größten Teil Einhalt gebieten. 1952 begann der Bau des Donaukraftwerkes Jochenstein, der 1955 abgeschlossen wurde.

Auch am Inn lassen sich Besiedelungen seit frühester Zeit durch Funde belegen. Der Name dürfte keltischen Ursprungs sein. Die Bedeutung des Inn als Verkehrs- und Transportweg lässt sich noch heute an den alten Städten erkennen, die ihren Reichtum dem Handel auf dem Inn verdankten. Stiller wurde es, als die Bedeutung als Transportweg abnahm. Neue Bedeutung erlangte der Inn, als man daranging, seine Energie durch Staustufen nutzbar zu machen.

Urnenfunde zwischen Suben und St.Marienkirchen weisen auf eine Besiedelung der Gegend bereits in der Bronzezeit hin. Das größte Gebäude Suben in ist ein früheres Augustinerchorherrenstift mit Gründung um 1050 n. Chr. Es wurde 1784 mit kaiserlichem Patent aufgehoben und ist seit 1855 Strafvollzugsanstalt.

Der Autobahngrenzübergang Suben liegt an der Balkanroute zwischen Großbritannien und der Türkei. Das Zollamt Suben ist was den Warenverkehr betrifft, der Grenzübergang mit den höchsten Frequenzen.

Neben Inn- und Donautal und dem Sauwald ist das Pramtal das wichtigste Siedlungsgebiet. Auf ihrem 57 km langen Lauf überwindet die Pram einen Höhenunterschied von 320 m.

Vor rd. 20 Millionen Jahren erstreckte sich im heutigen Alpenvorland ein Meer. Zwei Ablagerungen dominieren: Sand und Schlier. Sand findet man im Bereich der ehemaligen Küste am Rand des Sauwaldes, während Schlier die Ablagerung im ruhigeren Beckenbereich darstellt. Im Pramtal lagert vor allem sandhältiger Ton, der Lehm. Auf dem fruchtbaren Boden des Pramtals wachsen vor allem Weizen, Gerste und Mais. Die größte Siedlung im Pramtal ist Andorf und wird im Jahr 1122 erstmals urkundlich erwähnt. In der Riedkirche befindet sich eine wertvolle Schutzmantelmadonna von Thomas Schwanthaler (1634-1707). In der Ortschaft Großpichl befindet sich das "Freilichtmuseum Brunnbauerhof", ein 200 Jahre alter typischer Vierseithof, der baulich fast unverändert geblieben ist.

Zell an der Pram wird erstmals 955 urkundlich erwähnt. Mönche errichteten an der Pram eine Cellare, eine Ansiedlung und eine Kapelle.

Das Schloss Zell an der Pram ist aus einer ursprünglichen Wasserburg entstanden und wurde in den Jahren 1709 – 1712 barockisiert und erhielt 1760 ihr heutiges Aussehen. Restauriert in den 70er Jahren ist es seit 25 Jahren Landesbildungszentrum.

Zur Wirtschaft:

Grundsätzlich ist der Bezirk Schärding durch Land- und Forstwirtschaft geprägt, was zur Folge hat, dass die Struktur der Gewerbe- und Industriebetriebe vor allem aus Klein- und Mittelbetrieben besteht. Von den etwa 2000 Betrieben sind nur ca. 100 der Sparte Industrie zuzuzählen. Trotz dieser Struktur haben sich eine Reihe von Industriebetrieben im Bezirk Schärding etabliert.

Die Betriebsstrukturen führen dazu, dass nicht alle Arbeitnehmer direkt im Bezirk einen Arbeitsplatz finden können. Die hohe Auspendlerquote verhindert eine höhere Arbeitslosigkeit. Etwa 4000 Personen gehen außerhalb des Bezirkes ihrer Beschäftigung nach.

Die Land- und Forstwirtschaft unterliegt gravierenden Veränderungen.

Gab es im Jahr 1960 noch 4500 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, so waren es im Jahr 2000 schon weniger als 3000. Auch das Verhältnis Vollerwerbs- zu Nebenerwerbsbetrieben hat sich vollkommen umgekehrt.

Zum Fremdenverkehr:

Der Bezirk bietet dem interessierten Gast eine Menge, vor allem sei hier auf die Gastronomie verwiesen, die insbesondere auch unsere bayrischen Nachbarn so sehr schätzen. Das Inn- und Donautal bieten sich als Ausflugsgebiete an. Inn- und Donauradweg sind stark frequentierte Routen. Besondere Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Bezirkshauptstadt Schärding mit einem der schönsten Stadtplätze Österreichs.

Das Kulturschlössl Sigharting, Wernstein mit der renovierten Burg sowie dem ebenfalls renovierten Kubinsschlössl, das bereits genannte Stift Engelszell mit dem berühmten Klosterlikör sowie die Wallfahrtskirche Brunnenthal mit dem mittlerweile international anerkannten Konzertsommer.

Folgende bedeutende Persönlichkeiten des künstlerischen öffentlichen Lebens stammen oder leben bzw. lebten im Bezirk Schärding:

Arnulf Rainer, der in Enzenkirchen einen Wohnsitz hat,

Richard Billinger, Schriftsteller, St.Marienkirchen

Alfred Kubin, Zeichner und Graphiker, Wernstein

Margret Bilger, Malerin, Taufkirchen an der Pram

Herbert Fladerer, Graphiker, Wernstein am Inn

Johanna Dorn, Malerin, Wernstein

Ernst Degn, Maler, Schärding

Alois Riedl, Maler, Brunnenthal

Friedrich Ch. Zauner, Schriftsteller, Rainbach

Helmut Hundstorfer, Glaskünstler in Kopfing

Die Grenzlage des Bezirkes hat in der Vergangenheit viele Standort und Wettbewerbsnachteile mit sich gebracht. Durch den Ausbau der Verkehrswege hat sich die Situation verbessert, vor allem ist auch die EU-Mitgliedschaft Österreichs als Entwicklungschance für den Bezirk zu sehen.

Bezirkshauptmannschaft Schärding • Ludwig-Pfliegl-Gasse 11-13 • 4780 Schärding
Telefon (+43 7712) 31 05-0 • Fax (+43 7712) 31 05-27 03 99E-Mail bh-sd.post@ooe.gv.at

Logo Land Oberösterreich