Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige
Erkrankt ein Familienmitglied und steht Betreuung oder Pflege daheim an, bedeutet das für alle Betroffenen massive Veränderungen. Die Situation, ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu haben, trifft die Angehörigen meist plötzlich und unerwartet. Nur in wenigen Familien wird zeitgerecht darüber gesprochen, was im Falle einer Erkrankung, die zur Pflegebedürftigkeit führt, zu tun ist. Dabei sind die dadurch entstehenden Veränderungen im Familienalltag, in den sozialen Beziehungen und in der Autonomie sowohl der Pflegenden als der Gepflegten schwerwiegend und wirken sich auf den Alltag und die Zukunftsperspektiven nachhaltig aus.
Meist sind es die Frauen, die die Pflegeverantwortung übernehmen, oft in einem Alter, in dem sie selber in Pension gehen würden bzw. sich neue Orientierungen ergeben. Im Bemühen, für den von fremder Hilfe abhängigen alten Menschen möglichst passende Rahmenbedingungen zu schaffen, um zumindest einige der Krankheitsfolgen zu lindern, überfordern sich die pflegenden Familienmitglieder oft. Pflege- und Betreuungsarbeit ist Schwerarbeit und bedeutet psychische und körperliche Belastung. Das Resultat sind häufig Stress, Abgeschlagenheit, eigene Erkrankung.
Unabhängig davon, ob sich jemand bewusst für die Begleitung altgewordener Familienangehöriger entschieden hat oder durch eine akute Erkrankung eine plötzliche Pflegeübernahme erforderlich wurde, ist es wichtig, frühzeitig fremde Hilfe und damit wertvolle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Welche Unterstützungsangebote gibt es?
- Mobile Dienste |
- Begünstigte Weiter- oder Selbstversicherung in der Pensionsversicherung |
- Finanzielle Unterstützung bei Pflegegeldbezug |
- Gesprächsgruppen |
- Kurse für pflegende Angehörige |
- Veranstaltungen für pflegende Angehörige |
- Beratung in Einzelgesprächen |
- Pflegende Angehörige treffen sich im Internet |
- Erholungstage |
- Urlaubsmöglichkeit bei Alzheimererkrankung |
- Tagesbetreuung |
- Kurzzeitpflege |
- Überleitungspflege |
- Mobile Hospiz |
Mobile Dienste
Unterstützung durch mobile Dienste (Hauskrankenpflege durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, Mobile Betreuung und Hilfe durch Altenfachbetreuer/innen und Heimhelfer/innen)
Mahlzeitendienste
Versorgung von Menschen, die selber nicht mehr kochen können.Hauskrankenpflege
Hauskrankenpflege wird auf Veranlassung des behandelnden Arztes durch diplomiertes Pflegepersonal durchgeführt.Mobile Betreuung und Hilfe
Mobile Betreuung und Hilfe ist eine Unterstützung für hilfs- und pflegebedürftige Menschen, um den Verbleib in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.
Begünstigte Weiter- oder Selbstversicherung in der Pensionsversicherung
Personen, die aus einer die Pflichtversicherung begründende Erwerbstätigkeit ausscheiden, um eine nahe Angehörige oder einen nahen Angehörigen zu pflegen, können sich unter folgenden Voraussetzungen zu begünstigten Bedingungen in der Pensionsversicherung weiterversichern:
- Vorversicherungszeit wie bei der Weiterversicherung
- Pflege eines/einer nahen Angehörigen
- Pflege in häuslicher Umgebung
- gänzliche Beanspruchung der Arbeitskraft durch die Pflege
- Anspruch auf Pflegegeld ab der Stufe 3
Der versicherten Person erwachsen dabei keine Kosten. Die Beiträge werden seit 1. August 2009 zur Gänze aus Mitteln des Bundes getragen. Die Weiterversicherung bietet daher die Möglichkeit, kostenlos Versicherungszeiten zu erwerben.
Personen, die unter erheblicher Beanspruchung ihrer Arbeitskraft eine nahe Angehörige oder einen nahen Angehörigen pflegen, können sich zu begünstigten Bedingungen in der Pensionsversicherung selbstversichern. Vor Beginn der Selbstversicherung ist die ausgeübte Erwerbstätigkeit entsprechend zu vermindern. Die Selbstversicherung ist für pflegende Angehörige auch möglich, wenn vorher noch keine Pflicht-, Selbst- oder Weiterversicherung in der Pensionsversicherung bestanden hat. Voraussetzungen sind
- Pflege eines/einer nahen Angehörigen
- Pflege in häuslicher Umgebung
- Wohnsitz im Inland
- erhebliche Beanspruchung der Arbeitskraft durch die Pflege
- Anspruch auf Pflegegeld ab der Stufe 3
Neben der Selbstversicherung für die Pflege eines/einer nahen Angehörigen ist die Selbstversicherung für die Pflege eines behinderten Kindes ausgeschlossen.
Die Selbstversicherung beginnt mit dem Zeitpunkt, den die pflegende Person wählt, frühestens jedoch mit dem ersten Tag des Monats, in dem die Pflege aufgenommen wird und spätestens mit dem Monatsersten nach Antragstellung. Die Selbstversicherung endet mit Ende des Kalendermonats, in dem eine der Voraussetzungen wegfällt oder die pflegende Person den Austritt aus dieser Versicherung erklärt.
Der versicherten Person erwachsen dabei keine Kosten. Die Beiträge werden seit 1. August 2009 zur Gänze aus Mitteln des Bundes getragen. Die Selbstversicherung bietet daher die Möglichkeit, kostenlos Versicherungszeiten zu erwerben.
Finanzielle Unterstützung bei Pflegegeldbezug
Seit 1. Jänner 2004 besteht die Möglichkeit, dass nahe Angehörige, die eine pflegebedürftige Person, der zumindest ein Pflegegeld der Stufe 4 nach dem Bundespflegegeldgesetz gebührt, seit mindestens einem Jahr überwiegend pflegen und an der Erbringung der Pflegeleistung wegen Krankheit, Urlaub oder aus sonstigen wichtigen Gründen verhindert sind, eine finanzielle Zuwendung erhalten. Diese kann aus dem durch das Bundesbehindertengesetz eingerichteten Unterstützungsfonds für Menschen mit Behinderung bei Vorliegen einer sozialen Härte gewährt werden und soll als Zuschuss zu jenen Kosten zur Verfügung gestellt werden, die im Falle der Verhinderung dieser Hauptpflegeperson entstehen, um eine Ersatzpflege organisieren zu können. Nähere Auskünfte dazu erteilt das Bundessozialamt unter der Telefon-Nummer (+43 732) 76 04-0.
Gesprächsgruppen
Gesprächsgruppen werden von der Volkshilfe Oberösterreich unter der Telefonnummer (+43 732) 34 05-100 und von der Caritas für Betreuung und Pflege (+43 676) 8776-2440 organisiert und durchgeführt.
Stammtische für Pflegende Angehörige werden von der Abteilung Gesundheit des Landes OÖ und den oö. Gemeinden organisiert und von diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen geleitet.
- Caritas Oberösterreich
- Volkshilfe Oberösterreich
-
Stammtisch für Pflegende Angehörige
Ein Angebot der Abteilung Gesundheit
Kurse für pflegende Angehörige
Kurse für pflegende Angehörige werden von der Volkshilfe Oberösterreich und dem Österreichischen Roten Kreuz, Landesverband Oberösterreich in den Regionen durchgeführt. Sie haben zum Ziel, pflegenden Angehörigen fachmännische Unterstützung in Theorie und Praxis zu geben. Dabei wird jedoch nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch die Betreuungssituation mit all ihren zwischenmenschlichen Problemen wie z.B. Motivation, Selbstschutz und Abgrenzung angesprochen.
Einen zentralen Bestandteil der Kurse für pflegende Angehörige stellt der Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden dar. Schon ein "von der Seele reden" kann viel Last und Frustration von den Schultern pflegender Angehöriger nehmen.
Auskünfte erteilt die Volkshilfe OÖ, Telefon (+43 732) 34 05-100 oder das Österreichische Rote Kreuz, Telefon (+43 732) 76 44-171.
Veranstaltungen für pflegende Angehörige
Von der Caritas OÖ werden Vorträge zu verschiedenen Themen, wie z.B. Umgang mit demenzerkrankten Menschen oder Umgang mit sich selbst als Pflegende oder Pflegender, angeboten.
Beratung in Einzelgesprächen
Zur individuellen, vertraulichen Beratung und Abklärung der Beratungssituation und individuellen Bedürfnisse bietet die Servicestelle der Caritas für pflegende Angehörige nach Terminvereinbarung Einzelgespräche in Linz an.Pflegende Angehörige treffen sich im Internet
Sie pflegen zu Hause Ihre Mutter, Ihren Vater, Ihre Partnerin, Ihren Partner oder andere Angehörige? Sie wollen mit anderen über Ihre Situation reden, haben aber nicht die Möglichkeit, das Haus zu verlassen? Dann besuchen Sie n@tzwerk pflege der Caritas im Internet:
- In der Onlineberatung können Sie sich vertrauchlich an die Caritas Beraterinnen und Berater wenden.
- Im Forum können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen, von Ihrem Alltag berichten, Ratschläge einholen und vieles mehr.
Das n@tzwerk pflege für Pflegende Angehörige wird vom Sozialressort des Landes OÖ unterstützt.
Erholungstage
Um pflegenden Angehörigen die Möglichkeit zum Erholen und Ausspannen geben zu können, werden Erholungstage angeboten. Informationen dazu erhalten Sie bei der Servicestelle der Caritas für pflegende Angehörige. Wird für die zu Hause gepflegte Person für diese Zeit ein Kurzzeitpflegeplatz benötigt, ist die Servicestelle dabei behilflich. Es werden auch Erholungstage gemeinsam für Pflegende und Gepflegte angeboten.Urlaubsmöglichkeit bei Alzheimererkrankung
Eine Urlaubsmöglichkeit speziell für Menschen, die alzheimerkranke Angehörige zu Hause betreuen, bietet der Verein M.A.S. (Morbus Alzheimer Syndrom) in Bad Ischl. Während die Angehörigen Sport, geselligen Aktivitäten nachgehen oder sich einfach erholen, erhalten die kranken Familienmitglieder Therapien.
Tagesbetreuung
In Oberösterreich stehen etwa 200 Plätze zur Tagesbetreuung von alten- und/oder pflegebedürftigen Personen zur Verfügung. Dort können die Menschen unter therapeutischer, sozialer, pflegerischer Begleitung den Tag gemeinsam mit anderen Menschen in einer Einrichtung verbringen. An den Abenden und Nächten sind die Personen in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung. Weitere Informationen siehe auch unter der Rubrik "teilstationäre Einrichtungen".
Kurzzeitpflege
Grundsätzlich besteht in allen 119 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen die Möglichkeit zur kurzzeitigen Begleitung und Betreuung alter und/oder pflegebedürftiger Menschen. Gedacht ist dieses Angebot für Menschen, die aus einem Krankenhaus entlassen werden oder zur Entlastung der pflegenden Angehörigen, die während dieser Zeit selbst Erholung suchen oder gar selbst erkrankt sind. Für weitere Auskünfte stehen die Sozialberatungsstellen der Regionen oder der Sozialhilfeverband zur Verfügung.
Überleitungspflege
An den oberösterreichischen Krankenanstalten sind Überleitungsschwestern den Angehörigen und den kranken Menschen behilflich, nach einem Krankenhausaufenthalt die entsprechenden Maßnahmen für die Organisation der Betreuung daheim, die Bereitstellung von Hilfsmitteln etc. zu treffen.
Mobile Hospiz
Die meisten Menschen wünschen sich, ihren letzten Lebensabschnitt in der gewohnten Umgebung zu verbringen. Die mobilen Hospizteams begleiten die sterbenden Menschen und ihre Angehörigen im Abschiednehmen. Nähere Auskünfte gibt es beim Landesverband Hospiz Oberösterreich, Telefon (+43 732) 79 36 00.
Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an:
Amt der Oö. Landesregierung
Direktion Soziales und Gesundheit
Abteilung Soziales


