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Energieausweis

Mit 1. Juli 2013 trat das neue Baurecht in Oberösterreich in Kraft, mit dem wichtige Ergänzungen und Neuerungen zum Energieausweis landesrechtlich umgesetzt werden.

Muster eines Energieausweises

Quelle: Österreichisches Institut für Bautechnik

Wozu ein Energieausweis?

Der Energieausweis...

  • ist der Energie-Typenschein für ein Gebäude.
  • schafft ein Gütesiegel für die Energie-Qualität von Gebäuden.
  • macht den Energiebedarf und die Energieeffizienz von Gebäuden "sichtbar".
  • ermöglicht mehr Transparenz, Vergleichbarkeit und Wettbewerb – für Planerinnen und Planer, für Errichterinnen und Errichter, für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Vermieterinnen und Vermieter,  für Kauf- und Mietinteressentinnen und -interessenten.
  • zeigt Energiesparpotenziale auf und gibt Impulse für die energetische Optimierung von Gebäuden.

Wer schreibt den Energieausweis vor?

Mit der "EU-Gebäuderichtlinie 2002" (Richtlinie 2002/91/EG) wurde der Energieausweis europaweit vorgeschrieben, und zwar für praktisch alle Gebäude, sowohl Neubau als auch Bestand und auch für Nicht-Wohngebäude, wie z.B. Büro- und Betriebsgebäude. Die Umsetzung der "EU-Gebäuderichtlinie 2002" wurde in Oberösterreich mit der am 1.1.2009 in Kraft getretenen Oö. Bautechnikverordnungs-Novelle 2008 abgeschlossen.

Mit der Neufassung der "EU-Gebäuderichtlinie 2010" (Richtlinie 2010/31/EU) wurde gegenüber der Erstausgabe in erster Linie eine Präzisierung vorgenommen und der Primärenergiebedarf als wesentliche Kenngröße eingeführt.

Die mit 1. Juli 2013 in Kraft getretene . Bauordnungs-Novelle 2013, das Oö. Bautechnikgesetz 2013 und die Oö. Bautechnikverordnung 2013 setzen die Bestimmungen des baurechtlich relevanten Teils der "EU-Gebäuderichtlinie 2010" um.

Der Energieausweis ist nicht nur im Bauverfahren – die landesrechtliche Einführung erfolgte in bereits 1999 - sondern auch bei Vermietung, Verpachtung und Verkauf erforderlich (Bundesrecht). Diesen privatrechtlichen Anwendungsbereich des Energieausweises regelt der Bund im Energieausweis-Vorlage-Gesetz 2012 (EAVG 2012), BGBl. I Nr. 27/2012. Seit bereits 1. Dezember 2012 muss in Inseraten (in elektronischen sowie auch in Printmedien) verpflichtend die Angabe des Heizwärmebedarfs und des Gesamtenergieeffizienzfaktors (f GEE) erfolgen. Diese Pflicht gilt sowohl für die Verkäuferin oder den Verkäufer, die Bestandgeberin oder den Bestandgeber als auch für die bzw. den von dieser bzw. diesem beauftragten Immobilienmaklerin bzw. den Immobilienmakler.

Wie schaut der Energieausweis aus?

Form und Inhalt des Energieausweises sind landesrechtlich geregelt. Im Sinne der Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften in Österreich regelt die mit 1. Juli 2013 in Kraft getretene . Bautechnikverordnung 2013 dies nicht explizit, sondern verweist auf die OIB-Richtlinie 6 "Energieeinsparung und Wärmeschutz", Ausgabe 2011, des Österreichischen Institutes für Bautechnik. Auf der ersten Seite des Energieausweises ist als wichtigstes Merkmal die Effizienzskala dargestellt, auf der zweiten Seite sind die technischen Details zu den Energie- und Gebäudedaten zu finden gefolgt von den technischen Beiblättern (Anhang).

Was bedeuten die vier Kenngrößen auf der ersten Seite des Energieausweises?

  • HWB SK: Der Heizwärmebedarf beschreibt jene Wärmemenge, welche den Räumen zur Aufrechterhaltung einer Raumtemperatur von 20°C  rechnerisch am Standort des Gebäudes zugeführt werden muss (SK...Standortklima). Er ist ein Indikator für den Wärmeschutz des Gebäudes.
  • PEB SK: Der Primärenergiebedarf schließt die gesamte Energie für den Bedarf im Gebäude einschließlich des Aufwandes für die Energieaufbringung (Herstellung, Transport) mit ein. Er ist ein Indikator für den Bedarf an Energieressourcen.
  • CO2 SK: Diese Kenngröße beschreibt die dem gesamten Energiebedarf im Gebäude zuzurechnenden Kohlendioxidemissionen, einschließlich jener für Transport und Erzeugung sowie aller Verluste. Er ist ein Indikator in Hinblick auf Klimaschutz.
  • fGEE: Der Gesamtenergieeffizienzfaktor beschreibt die Effizienz des Gebäudes inkl. der haustechnischen Anlagen. Das Gebäude in seiner Gesamtheit wird verglichen mit einem Gebäude gleicher Geometrie, das jedoch wärmetechnisch und haustechnisch nach den Anforderungen der OIB RL 6, Ausgabe 2007 ausgestattet ist. Je kleiner dieser Wert ist, umso effizienter ist das Gebäude.  Ein fGEE von 0,8 bedeutet z.B., dass die Gesamtenergieeffizienz um 20% besser ist als nach den Anforderungen der OIB RL 6, Ausgabe 2007 gefordert war.

Was steht sonst noch im Energieausweis?

Der Energieausweis für Wohngebäude enthält auf den Folgeseiten:

  • den "Heizwärmebedarf" detailliert dargestellt einerseits am Standort des Gebäudes im Vergleich zu einem Referenzstandort für ganz Österreich und andererseits spezifisch bezogen auf die Brutto-Grundfläche des Gebäudes
  • den "Warmwasser-Wärmebedarf"
  • den "Haushaltsstrombedarf"
  • den "Heiztechnik-Energiebedarf"
  • den Endenergiebedarf des Gebäudes
  • den "Primärenergiebedarf"
  • die "Kohlendioxidemissionen"
  • den "Gesamtenergieeffizienzfaktor"
  • Empfehlungen für Maßnahmen (ausgenommen Neubau)

Der Energieausweis für Nicht-Wohngebäude (z.B. Bürogebäude, Schulen, Hotels, Verkaufsstätten usw.)  enthält auf den Folgeseiten zusätzlich:

  • den Kühlbedarf des Gebäudes
  • den Energiebedarf für die haustechnischen Anlagen, und zwar getrennt für Heizung, Kühlung, mechanische Belüftung sowie für die Beleuchtung des Gebäudes. Der Energieausweis für spezielle "Nicht-Wohngebäude" (z.B. Industriehallen, Werkstätten) hat zumindest die U-Werte der Bauteile zu umfassen.

Wer muss wem den Energieausweis vorlegen?

  • Jede bzw. jeder, die bzw. der ein Gebäude neu-, zu- oder umbaut oder eine "größere Renovierung" (gemäß § 2 . Bautechnikgesetz 2013) vornimmt, muss der Baubehörde einen Energieausweis vorlegen.
  • Sofern ein Energieausweis vorhanden ist, sind Eigentümerinnen und Eigentümer von Nicht-Wohngebäuden mit einer konditionierten (beheizten, gekühlten) Brutto-Grundfläche von über 500 , die starken Publikumsverkehr aufweisen, zum Aushang an einer gut sichtbaren Stelle verpflichtet.
  • Von Behörden genutzte Nicht-Wohngebäude mit einer konditionierten (beheizten, gekühlten) Brutto-Grundfläche von über 500 müssen den Energieausweis im Bereich des Haupteinganges aushängen. Falls es keinen bestehenden,  gültigen Energieausweis gibt, ist dieser für diesen Zweck auszustellen.
  • Jede bzw. jeder, die bzw. der ein Gebäude oder einen Teil davon (z.B. eine Wohnung) verkauft, vermietet oder verpachtet – also die Verkäuferin bzw. der Verkäufer, die Vermieterin bzw. der Vermieter, der Käuferin bzw. dem Käufer oder der Mieterin bzw. dem Mieter nach dem Energieausweis-Vorlage-Gesetz 2012 des Bundes.
  • In Inseraten (in elektronischen sowie auch in Printmedien) muss verpflichtend die Angabe des Heizwärmebedarfs und des Gesamtenergieeffizienzfaktors (f GEE) erfolgen. Diese Pflicht gilt sowohl für die Verkäuferin bzw. den Verkäufer oder die Bestandgeberin bzw. den Bestandgeber als auch für die oder den von dieser oder diesem beauftragten Immobilienmaklerin bzw. Immobilienmakler.

Wer erstellt den Energieausweis?

Energieausweise sind von qualifizierten und befugten Personen auszustellen. Der Energieausweis ist eine Urkunde mit den entsprechenden rechtlichen Wirkungen. Die Ausstellerbefugnis ist im § 7 der . Bautechnikverordnung 2013 geregelt.  Informationen  erhalten sie u.a. bei der Wirtschaftskammer .

Wie lang gilt ein Energieausweis?

Der Energieausweis gilt zehn Jahre ab dem Datum der Ausstellung. Nach bisher geltenden . Rechtsvorschriften ausgestellte "alte" Ausweise gelten bis höchstens zehn Jahre nach deren Ausstellung, auch wenn diese noch weniger Daten beinhalten.

Brauchen alle Gebäude einen Energieausweis?

Ein Energieausweis wird für praktisch alle Gebäude-Kategorien benötigt, also für Wohngebäude und für Nicht-Wohngebäude (öffentliche Gebäude, gewerbliche Gebäude, Industriebauten usw.); es gibt nur wenige Ausnahmen (z.B. für Gebäude, die nur frostfrei gehalten werden,  für provisorische Gebäude oder für Gebäude mit höchstens 50 m2). Die Ausnahmen sind im Detail in der OIB-RL 6, Ausgabe 2011, geregelt.

Ein Energieausweis pro Gebäude?

Der Energieausweis wird grundsätzlich für das gesamte Gebäude erstellt, kann aber auch für eine einzelne Wohnung oder ein Geschäftslokal innerhalb eines Gebäudes erstellt werden. Sollte es in einem Gebäude mehrere Nutzungszonen (z.B. Wohnbereich und Geschäftsbereich) geben, sind für diese getrennte Ausweise zu erstellen.

Sind die Regeln für den Energieausweis österreichweit einheitlich?

Die Inhalte, Berechnungsvorschriften und Anforderungen werden in jedem Bundesland durch Landesgesetze geregelt. Es wurden gemeinsame technische Richtlinien und Normen ausgearbeitet. Bezüglich der Berechnung verweisen die Bundesländer auf diese Standards, bezüglich der Anforderungen weichen einige Bundesländer in ihrer Gesetzgebung aber von diesen deutlich ab.

Nähere Informationen:

Nähere Informationen zum Energieausweis erhalten Sie bei der Abteilung Umweltschutz, Gruppe Bauphysik, Telefon: (+43 732) 77 20-145 43 sowie beim O.Ö. Energiesparverband, Telefon: (+43 732) 77 20-143 80 beziehungsweise in Bezug auf Rechtsfragen bei der Direktion Inneres und Kommunales, Gruppe Bau- und Abgabenrecht, Telefon: (+43 723) 77 20-124 71.

Weiterführende Informationen

Berechnungs- und Rechtsgrundlagen im Detail:

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an:

Amt der Oö. Landesregierung • 4021 Linz, Landhausplatz 1 • Telefon (+43 732) 77 20-0 E-Mail post@ooe.gv.at