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Gefahrenmuster

Es wird zwischen fünf Problemen und einer „günstigen Situation“ unterschieden. Ein solches „Muster“ kann helfen, mit einfachen Mitteln das komplexe System der Lawinenbildung gut und leichter erkennbar an Lawinenkommissionen oder Wintersportler zu vermitteln. Für wenig erfahrene Wintersportler bieten Muster meist die einzige Möglichkeit für die Wiedererkennung einer Lawinensituation.

Gefahrenmuster Neuschnee

Der Neuschnee ist einerseits eine Zusatzlast für die darunterliegende Schneedecke, andererseits bildet er eine neue Schicht. Dabei ist er während des Schneefalls und meist bis ca. 3 Tage danach oft nur ungenügend mit der Altschneeoberfläche verbunden.

Bei einer Neuschneesituation ist besonders wichtig:

die gefallene Neuschneemenge bzw. das Erreichen der "kritischen Neuschneemenge"

  • 10 bis 20 cm bei ungünstigen Bedingungen (starker Wind, kalt, ungünstige Unterlage)
  • 20 bis 30 cm bei mittleren Bedingungen
  • 30 bis 50 cm bei günstigen Bedingungen (wenig Wind, warm, günstige Unterlage)

Gefahrenstellen sind flächig weit verbreitet und mit der Höhenlage wird es heikler.

Erkennbar an:

  • (kritischer) Neuschneemenge
  • häufige Alarmzeichen: v.a. frische Schneebrettlawinen

Gefahrenstufe: oft erheblich (Stufe 3), besonders wenn „kritische Neuschneemenge“ erreicht ist.

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Gefahrenmuster Triebschnee

Wenn der Wind Schnee verfrachtet, bildet sich frischer Triebschnee. Dabei wird entweder Neuschnee oder/und lockerer Altschnee verfrachtet. Triebschnee kann somit auch bei schönstem Wetter gebildet werden. Er ist immer gebunden. Vor einer Triebschneesituation wird gewarnt, wenn in den letzten ca. 3 Tagen frische Triebschneeansammlungen entstanden sind.

Bei einer Triebschneesituation sind besonders wichtig:

  • das Alter des Triebschnees
    • frische Triebschneeansammlungen sind in der Regel auslösefreudig, aber nicht immer einfach zu erkennen. Das Wetter der letzten Tage gibt wichtige Hinweise.
  • die Beschaffenheit der Altschneeoberfläche unter dem Triebschnee
    • ungünstig: Oberflächenreif, weiche und großflächig glatte Altschneeoberfläche oder eine schwache Altschneedecke
    • günstig: kleinräumig stark unregelmäßige Altschneeoberfläche

Gefahrenstellen sind kleinräumig sehr unterschiedlich und im Windschatten (Mulden, Geländeknicke, …) und in der Höhe und in Kammlagen auch häufiger.

Erkennbar an:

  • Windzeichen wie Zastrugis oder Dünen
  • häufigen Alarmzeichen: Wummgeräusche, Risse, Fernauslösungen und frische Schneebrettlawinen

Gefahrenstufe: meist mäßig (Stufe 2) oder erheblich (Stufe 3)

Verhaltenshinweis: frische Triebschneeansammlungen meiden

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Gefahrenmuster Altschnee

Wenn die Schneedecke seit einigen Tagen weder durch Niederschlag, Wind, noch durch Schmelzprozesse verändert wurde, sind tiefere Schichten in der Schneedecke maßgebend für die Lawinengefahr. Solche Situationen sind beständig, sie können über mehrere Wochen, Monate oder gar einen ganzen Winter andauern.

Dieses Muster ist schwierig einzuschätzen. Deshalb ist besonders wichtig:

  • Defensives Verhalten / Schadensbegrenzung
  • Entlastungsabstände, sehr steile Hänge einzeln abfahren

Der allgemeine Schneedeckenaufbau wird im Lagebericht täglich beschrieben. Zudem finden sich in der Gefahrenbeurteilung Hinweise dazu, ob es sich um boden- oder eher oberflächennahe Schwachschichten handelt. So können Rückschlüsse auf potentielle Anrissmächtigkeiten gezogen werden.

Gefahrenstellen sind meist relativ selten (Lawinen können aber mittlere Größe erreichen) und oft schneearme Stellen, wie Übergänge von Rücken in Mulden oder felsdurchsetztes Gelände. Häufig auch in Nordhängen und in inneralpinen Gebieten anzutreffen.

Erkennbar an:

  • Schneeprofilen und Stabilitätstests mit langlebigen Schwachschichten
  • seltene Alarmzeichen: einzelne Wummgeräusche

Gefahrenstufe: oft mäßig (Stufe 2), meist während mehrerer Tage keine Lawinenauslösungen in einem Gebiet

Verhaltenshinweis: Vorsicht und Zurückhaltung sind nötig.

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Gefahrenmuster Nassschnee

Eindringendes Wasser kann die Schneedecke rasch schwächen. Die Gefahrensituation beruhigt sich aber in der Regel innerhalb von Stunden wieder.

Die tageszeitliche Erwärmung und eine starke Sonneneinstrahlung im Frühjahr führen zu oberflächlicher Schmelze und somit zum Eindringen von Wasser in die Schneedecke.
Regen führt der Schneedecke in kurzer Zeit große Wassermengen zu. Dadurch wird die Schneedecke einerseits angefeuchtet und erwärmt, andererseits führt Regen zu einer Zusatzlast.

Da die zeitliche und räumliche Gefährdung in einer Nassschneesituation sehr unterschiedlich sein kann, unterscheidet man:

Nassschneelawinen, die

  • bereits am Morgen auftreten können (Regen, sehr warme und bedeckte Nacht)
  • im Tagesverlauf auftreten (günstigen Verhältnissen am Morgen und Gefahrenanstieg im Tagesverlauf - klassische Frühjahrsituation)

Bei der Gefahr von nassen Lawinen sind besonders wichtig:

  • War die Nacht klar, so dass die Schneeoberfläche tragfähig gefrieren konnte? Dann herrschen am Morgen meist günstige Verhältnisse.
  • Nach bedeckter Nacht oder bei Regen besteht die Gefahr oft schon am Morgen. Zeitplan: Früh starten und rechtzeitig zurück sein.

Gefahrenstellen:

  • meist abhängig von der Exposition (außer bei Regen)
  • manchmal in der Höhe bessere Verhältnisse als weiter unten
  • oft zuerst in der Nähe von wärmenden Felsen
  • Auslaufbereiche von großen spontanen Lawinen beachten

Erkennbar an:

  • einer durchweichten, feuchten obersten Schicht/Schneedecke
  • großen Einsinktiefen mit/ohne Ski
  • häufigen Alarmzeichen: v.a. spontane Schneebrett- und Lockerschneelawinen

Gefahrenstufe:
bei Frühlingsverhältnissen oft günstige Situation am Morgen, dann Anstieg auf mäßig oder erheblich (Stufe 2 oder 3).

Verhaltenshinweis: Einen klaren Zeitplan festlegen und abklären, ob die Nacht klar war.

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Gefahrenmuster Gleitschnee

Bei Gleitschneelawinen rutscht die gesamte Schneedecke auf glattem Untergrund wie Gras oder Felsplatten ab. Dazu muss die unterste Schneeschicht direkt am Übergang zum Boden feucht sein.

Im Hochwinter erfolgt die Anfeuchtung von unten vom warmen und eventuell feuchten Boden her. Dann sind Gleitschneelawinen zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch bei tiefen Lufttemperaturen möglich. Die Schneedecke ist - abgesehen von der bodennahen „Schmierschicht" - trocken.

Im Frühjahr erfolgt die Anfeuchtung meist durch Schmelzwasser von oben. Dann gehen die Gleitschneelawinen vermehrt in der zweiten Tageshälfte ab.

Gefahrenstellen:

  • oft im Bereich von Gleitschneerissen
  • die Lawinen werden nicht durch Personen ausgelöst, sie gehen spontan ab --> Auslaufbereiche meiden

Erkennbar an: Gleitschneerissen ("Fischmäuler")

Gefahrenstufe: Gering oder mäßig (Stufe 1 oder 2)

Verhaltenshinweis: Zonen im Bereich von Gleitschneerissen meiden.

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Günstige Situationen

Charakteristisch dafür ist ein Schneedeckenaufbau mit wenigen Schichten ähnlicher Eigenschaften. In diesem Fall sind Lawinenauslösungen nur an vereinzelten Stellen und vor allem im extremen Steilgelände möglich. Neben der Verschüttungsgefahr steht vor allem die Absturzgefahr im Vordergrund.

Gefahrenstufe: gering (Stufe 1)

Quelle: SLF Davos, Schweiz, Institut für Lawinenforschung

Wenn Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an:

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